Die Demografie stellt ein anderes Problem für Ihre Altersversorgung dar, als vielfach gedacht


Die Überalterung unserer Gesellschaft wird immer wieder als Problem für unser System der Altersversorgung dargestellt. Aber lassen Sie uns an dieser Stelle einmal nicht die gesellschaftspolitischen Aspekte betrachten, sondern die sehr individuellen Folgen der demographischen Entwicklung. Die sind zunächst einmal positiv: Wir alle haben eine gute Chance länger zu leben.

Aber die individuelle Planung der Altersversorgung – und leider auch die meisten Beratungen – gehen von einer kurzen Lebensdauer nach Rentenbeginn aus. Nein, werden Sie oder Ihre Berater  jetzt möglicherweise sagen. Wir berücksichtigen in unseren Berechnungen schon die längere Lebenserwartung bei der Berechnung, wieviel Kapital für eine ergänzende Altersvorsorge benötigt wird.

Ja, vielleicht bei der Berechnung, aber selten bei der Empfehlung zum Vermögensaufbau. Vielfach werden die Spar- und Anlageentscheidungen so gestaltet, dass das benötigte Kapital zum 65. oder 66. Lebensjahr in einer Summe bereitsteht. Ganz offensichtlich ist dies bei Versicherungslösungen zur Altersversorgung meist der Fall.

Da mit Erreichen des 65. Lebensjahr noch eine Lebenserwartung(1)  von über 20 Jahren für Frauen (für Männer immerhin noch 17, 5 Jahren) besteht, muss dann bei Auszahlung der Lebens- oder Rentenversicherung eine Entscheidung über die Anlageallokation einer hohen Summe für viele Jahre getroffen werden.

Dies kann aus unterschiedlichsten Gründen ungünstig sein:

  • Eine breite Streuung der Anlagen (Diversifikation) ist dabei unstreitig wichtig. Eine Diversifikation der Gesamtanlage zu einem Zeitpunkt scheint aber suboptimal, weil Anlagen in unterschiedliche Märkte zu einem Zeitpunkt, natürlich bedeutet, dass man in ungünstige und günstige Märkte einsteigt. (Timing ist natürlich schwierig, antizyklische Anlegen aber sehr wohl möglich). Entweder kauft man also bei dieser Diversifikation auch zu ungünstigen Zeitpunkten ein oder man muss größere Teile des Geldes möglicherweise schlecht verzinst parken.
  • Rendite braucht Zeit. Bei genauer Überlegung wird man feststellen, dass eine lineare gleichmässige Rendite bei fast keiner Anlage möglich ist. Die Gründe werden wir später in diesem Blogg noch einmal erläutern. Wenn Rendite aber Zeit braucht, warum sollte dann dieses Risiko gerade zu Rentenbeginn eingegangen werden? Offensichtlich ist es doch besser zu Beginn des Rentenalters noch über „alte“ Anlagen unterschiedlichster Art zu verfügen, die nach und nach fällig werden oder nach und nach Ihre Rendite enwickeln können.

Eine sinnvolle Planung der Altersversorgung hat heute anders auszusehen: Für jedes einzelne Jahr im Ruhestand wird der Liquiditätsbedarf ermittelt. ( Übrigens wird dieser Bedarf auch in den einzelnen Jahren unterschiedlich hoch sein). Dann werden den einzelnen Lebensjahren unterschiedliche Anlageklassen mit unterschiedlichen Risiken zugeordnet. Grundgedanke dabei sollte sein, dass das frühzeitig benötigte Geld mit weniger Risiken versehen angelegt wird. Geld, welches erst in späteren Jahren benötigt wird, könnte mit höherem Renditepotential aber entsprechend auch höheren Risiken angelegt werden. Aber Achtung: Die Planung muss dynamisch gestaltet werden und laufend kontrolliert werden, denn die Zeit heilt nicht jedes Risiko. Daher muss unabhängig von dieser Planung auch definiert werden, wie hoch der Anteil der Rente sein sollte, der aus risikoarmen Kapitalanlagen stammen soll.

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(1) Statistisches  Bundesamt auf Basis Sterbetafel 2009/11

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