„Elite der Vermögensverwalter“: Renditen für Normalanleger unerreichbar?


Das Fachmagazin Elite Report und das Handelsblatt küren jährlich im November die Top-Vermögensverwaltungen.  Die höchste Auszeichnung mit „Summa cum laude“  haben auch die bekannten, aber dem „Normalanleger“ nicht zugänglichen Banken, wie die Berenberg Bank, Pictet &Cie  und Vermögensverwaltungen wie DJE Kapital (die allerdings bereits geringere Anlagesummen akzeptiert) erhalten. Ansonsten sind hier teils sehr hohe Mindestanlagen Voraussetzung für die persönliche Beratung und Betreuung.

Der Sieger wird nach 42 Einzelkriterien ermittelt, die nicht nur die Performance umfassen, sondern auch Beratungsqualität, Kundenzufriedenheit und weiteres mehr. Aber abgesehen von den „weichen“ (deshalb nicht unwichtigen) Kriterien hat mich die Performance interessiert. Erbringen diese häufig exklusiven Vermögensverwalter Renditen, die dem Normalanleger vorenthalten sein müssen?

Leider sind die öffentlich zugänglichen kostenlosen Quellen hinsichtlich der Performance  und genauer Messdaten sehr spärlich (dies gilt auch und gerade für den Elite Report).  Dennoch möchte ich hier einen kurzen Versuch unternehmen, einige Aussagen zur Performance zu treffen. Wobei das Problem schon damit beginnt, dass  der Untersuchungszeitraum ebenfalls nicht leicht öffentlich zugänglich zu ermitteln ist.

Aus verschiedenen Artikeln des Handelsblatt scheint aber zu entnehmen zu sein, dass es sich jeweils um einen Zwölfmonatszeitraum bis Ende September handelt.

Jahr 20011/2012

Im November 2012 meldet das Handelsblatt, dass das Vermögen der Kunden um durchschnittlich 5,5% bis 6,5% gewachsen sei.  Ist das ein gutes oder gar herausragendes Ergebnis?

Dies lässt sich genau natürlich nur beurteilen, wenn das gewünschte Risikoprofil zu den einzelnen Depots bekannt wäre. So macht es einen Unterschied, ob ein solches Ergebnis mit der gleichzeitigen Akzeptanz des Anlegers für hohe potentielle Verluste und/oder starken Depotwertschwankungen erzielt wurde.

Hilfsweise kann angenommen werden, dass ein Großteil der Vermögensverwalter die Anlageklassen Renten und Aktien präferiert. Sind alle die von mir genannten Annahmen korrekt (und lassen wir Kostenaspekte außer acht), dann stellt sich die genannte Performance als nicht sonderlich bemerkenswert dar.  Ein solches Ergebnis hätte sich mit etwas Glück auch für einen Normalanleger relativ leicht erzielen lassen, der in Dachfonds der Kategorie Aktien und Renten oder Mischfonds Aktien- und Renten (weltweit oder Europa) investiert hätte. Mit diesen Fonds hätten sich im Durchschnitt Ergebnisse zwischen 5,07% (Dachfonds Aktien+Renten) und 6,84% (Mischfonds Aktien+Anleihen /Welt) erzielen lassen.

Vergleich ausgewählter Fondsindizes mit Vermögensverwaltungen  Sept 2011 bis Sept 2012
Vergleich ausgewählter Fondsindizes mit Vermögensverwaltungen Sept 2011 bis Sept 2012

Jahr 2010/2011

Hier berichtete das Handelsblatt von Verlusten, die im Durchschnitt 5% betrugen.  Auch hier wurden mit dem Durchschnitt der betrachten Fonds gleichartige bzw. sogar leicht bessere, wenngleich auch negative, Ergebnisse erzielt.

Vergleich ausgewählter Fondsindizes mit Vermögensverwaltung Sep 2010 bis 2011
Vergleich ausgewählter Fondsindizes mit Vermögensverwaltung Sep 2010 bis 2011

Jahr 2009/2010

Ergebnisse des Elitereports liegen mir nicht vor. Die Ergebnisse der ausgewählten Fondsindizes war durchgängig positiv mit Renditen von 5% bis 6,8%.

Ergebnisse ausgewählter Fondsindizes Sep 2009 bis Sep 2010
Ergebnisse ausgewählter Fondsindizes Sep 2009 bis Sep 2010

 Jahr 2008/2009

In dieser Zeitspanne scheinen tatsächlich einmal die vom Elite Report ausgezeichneten Vermögensverwalter ein besseres Ergebnis als die vorgenannten Investmentfonds erzielt zu haben. Laut Elite Report konnten gute Vermögensverwalter einen Wertzuwachs von bis zu 1,5% nach Kosten und Steuern erzielen.  Das Ergebnisse der Fondsindizes lag darunter, wie die nachstehende Graphik zeigt.

Ergebnis ausgewählter Vermögensverwalter und ausgewählter Fondsindizes Sep 2008 bis Sep 2009
Ergebnis ausgewählter Vermögensverwalter und ausgewählter Fondsindizes Sep 2008 bis Sep 2009

Lässt sich ein Fazit ziehen?

Unter den sehr einschränkenden Annahmen zeigt sich kein wesentlicher Vorteil für die „Elite der Vermögensberater“ in Hinblick auf die Performance. Allerdings gilt dieses nicht für den Zeitraum September 2008 bis September 2009. Dieser Zeitraum war wesentlich durch die Finanzkrise im Herbst 2008 bestimmt.  Ich vermute, dass der Renditevorteil der Vermögensverwalter sich daraus ergab, dass diese mehr Freiheiten hinsichtlich der Investitionsquoten innerhalb der einzelnen Anlageklassen Aktien, Renten und vor allen Dingen Cash hatten. Die Vermögensverwalter hatten also die Möglichkeit durch hohe Cash-Positionen die Verluste der Aktienmärkte zu vermeiden. Anders sah dies im Bereich der Investmentfonds aus. Gerade bei Misch- und Dachfonds sind häufig für die einzelnen Anlageklassen Mindestinvestitionsquoten vorgesehen, was es unmöglich macht den Verlusten der Aktienmärkte zu entgehen.

Auch ein „Normalanleger“ hat also durchaus die Chance Renditen in annähernd gleicher Höhe zu erzielen, wie diese ansonsten nur für sehr vermögende Anleger durch deren Vermögensverwalter erzielt werden.Er kann annähernd gleiche Performanceergebnisse  erzielen, wenn er seine Gelder in klassische Dach- und Mischfonds investiert. Es ist natürlich kaum möglich, vorab die Fonds zu erkennen, die die besten Ergebnisse innerhalb dieser Fondskategorie erreichen werden. Es reicht aber schon, wenn seine Auswahl zu einem „durchschnittlichen Ergebnis“ führt. Möchte er dabei eine gleiche Chance auf Verlustbegrenzung wie bei Vermögensverwalter haben, sollte er aber auch auf die vorgeschriebenen Mindestinvestitionsquoten der ausgewählten Fonds achten.

Um die Chance zu erhöhen, tatsächlich ein durchschnittliches Ergebnis zu erreichen, ist auch eine Diversifikation innerhalb der Anlageklasse Misch- und Dachfonds zu empfehlen.

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Quellen:

Handelsblatt Nov 2012 zum Thema Elite der Vermögensverwalter

Handelsblatt Nov 2011 zum Thema Elite der Vermögensverwalter

Handelsblatt Nov 2009 zum Thema Elite der Vermögensverwalter

Graphiken aufbereitet mit FVBS

Disclaimer:

Der Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Vergangenheitswerte erlauben keine verlässlichen Rückschlüsse auf die Zukunft.

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