Vermögensverwaltung: Was in einer Privatbank nicht funktioniert


Finanzenlounge gibt es nicht nur in der online-Version, sondern auch im so genannten echten Leben („echtes Leben“ ist natürlich altmodisch unsinnig, denn dies hier im Netz ist natürlich auch reale Welt).

Für uns beinhaltet der Begriff Finanzenlounge auch ein neuartiges Konzept, um auch Nicht-Fachleuten die Finanzwelt näher zu bringen. Dazu laden wir in Hamburg regelmäßig  einen kleinen interessierten Kreis zu speziellen Themen ein.  Zu einer solchen Veranstaltung konnten wir gestern als Gastreferent einen ehemaligen Gesellschafter einer Privatbank gewinnen. Nach seinem Ausscheiden hat dieser Gesellschafter eine Vermögensverwaltung für institutionelle und private Anleger gegründet.

Dies alles wäre nicht besonders bemerkenswert, wenn es nicht diese Aussagen gegeben hätte, die mir zum Teil sehr aus dem Herzen sprechen:

  • Sicherheit von Geldanlagen bei Banken: Er selbst hat nie geglaubt, dass die Sicherungseinrichtungen im Falle weiterer Bankinsolvenzen im Jahr 2008 irgendeinen Schutz geboten hätten (diese Erkenntnis ist zwar nicht sonderlich neu, aber die Aussage war wenigstens sehr ehrlich).
  • Sehr deutlich hat er die Aussagen von Nassim N. Taleb vertreten: Es wird immer schwarze Schwäne geben und natürlich kann kein Vermögensverwalter Zukunft vorhersagen
  • Auch zu dem beliebten Thema Inflation, welches immer noch einige Vermögensverwalter oder Fondsmanager als Marketinginstrument verwenden,  hat er eher eine dem allgemeinen Konsens abweichende Meinung vertreten ( Seine Meinung: eher keine Inflation in den nächsten 2 bis 3 Jahren)

Bei diesen Aussagen mag man sich fragen, wie dieser Mann denn nun Vermögensverwaltungsmandate akquirieren möchte. Geht das, so untypisch?

Sein Ansatz liegt einfach in einer starken Kostenbegrenzung und in einer sauberen Diversifikation ohne wesentliche Wetten auf Entwicklungen einzelner Märkte: Gutes Handwerk und kostengünstige Produktion ohne Marketing- Schnickschnack. Da könnte man sich fragen, ob es so etwas tatsächlich in der Bankenwelt noch gibt. Kaum, wahrscheinlich würde ich am ehesten hier die Quirin Bank einordnen.

Aber dieser Grund, dass mit einer derartigen Vorgehensweise in der üblichen Finanz- und Bankenwelt kein Erfolg zu erzielen ist, war eben auch ein Beweggrund für seine selbstständige Tätigkeit als Vermögensverwalter.  Dazu kam sicherlich, dass er seine sehr persönlichen Vorstellungen  in einer gewachsenen Institution als jüngster Gesellschafter nicht voll umsetzen konnte.  Dies bezieht sich auf die kostengünstige Möglichkeit einer Vermögensverwaltung. „Warum sollte eine private Vermögensverwaltung nicht genauso günstig sein, wie das Angebot für institutionelle  Anleger?“ war seine Fragestellung.

Noch einmal zurück zur Frage, ob die erfolgreiche Akquise von Vermögensverwaltungsmandate auf diese untypische Weise auch bei Privatanlegern mit kleineren Anlagebeträgen funktioniert ?  Ich glaube eher nicht (leider). An verschiedenen Stellen habe ich über Fondsmarketing hier im Netz berichtet und meist hat sich gezeigt, dass derjenige mit den markantesten Marketingaussagen auch die höheren Geldzuflüsse hat.

Das ist zwar schade – für den kleineren Anleger – nicht aber für unseren Mann aus der Privatbank, denn seine institutionellen Mandate sind so umfangreich, dass sich davon sicher sehr gut leben lässt. Umso bemerkenswerter, dass sich unser Gast auf das schwierige Terrain begibt, auch Privatkunden seine Leistungen anzubieten. Eigentlich kann der Grund hierfür nur in seinem persönlichen Sendungsbewusstsein liegen und nicht in wesentlichen finanziellen Interessen.

Wir werden beobachten, was sich hieraus entwickelt?

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