Wo die Sicherheit von Investmentfonds endet


Bankenkrise, Eurokrise! Seit 2008 sind viele  Anleger unsicher, wo sie denn  ihr Geld überhaupt noch sicher anlegen können. Wer total überzeugt ist, dass seine Geldanlagen bei der Bank sicher sei, braucht hier eigentlich nicht weiter zu lesen. Stutzig machen kann aber, dass in Europa insgesamt 1,6 Billionen €  zwischen 2008 und 2010 an Banken gezahlt werden mussten, um diese zu retten. Ob auch in aller Zukunft derartige Beträge aufgebracht werden, sei dahingestellt. Falls Sie unabhängig von diesen Zahlen auf Ihre Ansprüche gegenüber den Sicherungseinrichtungen vertrauen oder sich auf die „staatliche“ Einlagensicherung verlassen möchten, seien  Ihnen unsere Ausführungen zu Ihren rechtlichen Ansprüchen empfohlen (1).

Die Sicherheit Ihrer Geldanlagen wird letztendlich immer durch das Emittentenrisiko und das Marktrisiko bestimmt. Hinsichtlich des Emittentenrisikos wird leicht übersehen, dass dieses auch bei einer Festgeldanlage besteht. Zwar wird üblicherweise als Emittent der Herausgeber eines festverzinslichen Wertpapiere verstanden. Kaufen Sie zum Beispiel ein solches festverzinliches Wertpapierpapier, so sind Sie Gläubiger und der Emittent ist Schuldner. Sie geben also einen Kredit. Und exakt das gleiche tun Sie, wenn Sie Festgeld bei einer Bank anlegen. Dies ist ein Kredit, den die Bank von Ihnen aufgenommen hat, und mit dem die Bank am „Markt“ arbeitet. Dieser Markt umfasst zum Beispiel die Kreditvergabe an andere, den Kauf von Aktien und  viele weitere Anlageprodukte. Genau genommen haben Sie damit das Marktrisiko in die Hände anderer gegeben. Führt  dieses Marktrisiko zu Verlusten, so braucht dies Sie so lange nicht zu interessieren, wie Ihr Schuldner (Ihre Bank, der „Emittent“  Ihres Sparbuches oder Festgeldes) nicht insgesamt so hohe Verluste erleidet, dass er in Insolvenz gehen muss. Sie haben somit also bei einer Festgeldanlage das Marktrisiko gegen das Emittentenrisiko getauscht.

Wer jetzt und vor dem Hintergrund der oben genannten 1,6 Billionen € dieses Emittentenrisiko ausschließen möchte, wird selbst an den Markt gehen müssen. Und dies ist auch für normale Anleger gar nicht so schwer, denn der Markt der Investmentfonds bietet eine sehr große Möglichkeit in fast allen Marktsegmenten selbst und auch mit kleinen überschaubaren Beträgen zu investieren. Wenn der Anleger dabei konsequent die Möglichkeiten der Diversifikation nutzt, sinkt natürlich für das gesamte Depot das Marktrisiko.

Anders als Banken beinhalten Investmentfondsgesellschaften für den Anleger nicht das Emittentenrisiko. Sollte eine Investmentfondsgesellschaft in Insolvenz gehen, so wird davon das Fondsvermögen nicht berührt (2). In einem solchen Falle würden sie vereinfacht gesagt, den aktuellen Wert aller Anteile, in die Ihr Fonds investiert hat, erstattet bekommen.

Wie im echten Leben, so gibt es auch im gesamten Finanzmarkt (und dazu gehören auch Sparanlagen) keine echte absolute Sicherheit. Hier muss sich nun jeder selbst fragen, ob er den Versprechungen (oder gesetzlichen Regelungen) glauben möchte und sein Geld einem Partner verbunden mit dem Emittentenrisiko anvertrauen möchte, oder ob er sein Vermögen auf unterschiedliche Anlageformen (unternehmerische Beteiligung in Form von Aktien; Kredite an unterschiedlichste Staaten und Unternehmen in Form von Rentenpapieren und einiges mehr) verteilen möchte.

Unter diesen Aspekt stellen Investmentfonds durchaus eine  „sichere“ Anlageform dar. Sicherheit heißt dann aber nicht, dass Sie zu jedem Zeitpunkt Ihr Geld ohne Verlust zurückerhalten, denn Sie tragen das Marktrisiko. Ob Sie ein relativ hohe oder nur ein relativ geringes Verlustrisiko eingehen, hängt dabei wesentlich von der Auswahl der einzelnen Investmentfonds ab.

Allerdings sollte man sich die einzelnen Investmentfonds sehr genau anschauen, ob diese nicht auch das Emittentenrisiko der Banken enthalten. Dabei meinen wir nicht die indirekten Risiken durch Kursrückschläge für den Fall, dass eine Insolvenz einer größeren Bank entsteht. Denn natürlich wird dies Einflüsse auf den Aktienmarkt haben.

Für gravierender halten wir direkte Auswirkungen einer Bankinsolvenz, die dadurch entstehen, daß  dass der Investmentfonds hohe Positionen an Festgeld, Bankeinlagen oder Geldmarktfonds hält. Dies ist besonders häufig bei  Absolute Return Fonds oder Risk Parity Fonds der Fall. (Übrigens sind dies Investmentfonds, die zur Zeit relativ gut verkauft werden, auch weil diese zur Zeit häufig eine durchaus akzeptable Rendite  erwirtschaften.)

Nun soll der Anleger eigentlich durch vom Gesetzgeber genau definierte Unterlagen exakt und verständlich über die Risiken aufgeklärt werden. Dieses Ziel wird aber gerade bei dieser Investmentfondsklasse nicht immer erreicht.

Vor Abschluss eines Investmentfonds muss der Anleger die „wesentlichen Anlageinformation“ (KIID) erhalten. Der so genannte Factsheet, den der Anleger zusätzlich erhält, ist ebenfalls hinsichtlich seines Informationsgehaltes geregelt.

Was erfährt der Anleger durch diese Materialien nun?

Hierzu ein Beispiel eines zurzeit sehr erfolgreich verkauften Produktes:

Auszug Factsheet zu dieser Beispiel-Anlage:

Sieht doch ganz solide aus: breite Streuung über alle Marktsegmente, kein Klumpenrisiko und Sicherheit vor Emittentenrisiko, könnte man meinen. Aber achten Sie darauf, hier wird vom Portfolioengagement gesprochen, nicht von den konkreten Anlagen. Wie oder besser wo Ihr Geld genau investiert ist, ersehen Sie hieraus nicht.

Auszug KIID zur Anlage:

Auch aus diesen Informationen der „wesentlichen Anlegerinformationen“ wird zumindest für den „normalen Anleger“ nicht das mögliche Emittentenrisiko von Bankeinlagen, die der Fonds beinhaltet, ersichtlich.

Es müssen dem Anleger zwar auch noch der Verkaufsprospekt  und Jahresbericht bzw. Halbjahresbericht ausgehändigt werden,  es ist aber zu bezweifeln, ob jeder Anleger diese Unterlagen studiert. Genau aus diesem Grund hat der Gesetzgeber  eben die obligatorischen „Wesentliche Anlegerinformationen“ eingeführt.

Um das tatsächliche Risiko (hier speziell das Emittentenrisiko durch Bankeinlagen) zu erkennen, benötigt man für diesen  Beispiel-Investmentfonds auch diese nachstehend Informationen, die aber nicht zu den offiziellen Verkaufsunterlagen gehört. Hieraus wird zumindest ansatzweise erkennbar, daß dieser Investmentfonds nicht unbeträchtliche Risiken durch die Cash-Positionen (die in der Regel bei Banken liegen) enthält.

Nicht dass wir den hier als Beispiel genommenen Fonds  für schlecht halten. Im Gegenteil, denn er findet sich auch in einigen Investmentfondsdepots unserer Kunden wieder. Wir möchten aber darauf hinweisen, dass es einige Investmentfondsarten gibt, die das Emittentenrisiko der Banken enthalten. Denn diese Aussage  ist gerade für Anleger wichtig, die nicht das Risiko einer Bankeinlage tragen möchten.

Eine gute Beratung zu Investmentfonds benötigt also immer mehr Informationen, als die offiziellen Verkaufsunterlagen hergeben. Hier bestehen allerdings rechtliche Einschränkungen, da viele entscheidungsrelevanten Unterlagen und Aussagen nicht ohne weiteres an den Anleger weitergegeben werden dürfen (3).

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(1) Informationen zur Sicherheit von Bankeinlagen finden Sie zum Beispiel hier auf unserer Homepage.

(2) Informationen zur Sicherheit von Investmentfonds mit entsprechenden Quellen finden sie ebenfalls auf unserer Homepage , hier.

(3) Zu den Beschränkungen bei der Informationsweitergabe hatte ich diesen Artikel auf Xing veröffentlicht: Was die Bundesanstalt für Finanzen unter Transparenz versteht und wie sie querdenkt

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