Betrachtung zur Pflegeversicherung: Häufig eine finanziell lukrative Entscheidung


Das kann es dann gewesen sein, mit Ihrer Planung des Ruhestandes. Wenn Sie Ihre Altersversorgung ernst nehmen und dabei auch die Lebenssituation Ihres Ehepartners und der Kinder im Blick behalten, sollten Sie auch die Risiken im Alter berücksichtigen, die Planungen weitgehend zunichtemachen können.  Es geht um die finanziellen Auswirkungen des Pflegefalls. Kalkuliert man genau, kann der Abschluss einer privaten Pflegeversicherung in vielen Fällen eine finanziell sinnvolle und „lukrative“ Entscheidung darstellen.  Deutlich wird dies an einigen Zahlen.

Zunächst die „guten“ Zahlen: Sie haben im Vergleich zu allen vorherigen Generationen mehr von Ihrem Alter:

Wären Sie in den Jahren 1984/86 gerade im Alter zwischen 65 und 69 Jahren gewesen, so hätte die anschließende Zeit von Lebensjahren bei guter Gesundheit noch 17,4 Jahre gedauert. Bereits ca. 15 Jahre später im Jahr 1998 hätte diese positive Zeitspanne sich um fast 2 Jahre auf 19,4 Jahre verlängert (1). Aber Ihr Leben im Ruhestand wird nicht nur von diesen Jahren bestimmt, denn die Lebenserwartung selbst hat weit mehr zugenommen und nimmt seit 1949 (fast) kontinuierlich zu:

Zunahme (saldiert) der weiteren Lebenserwartung einer Frau, die das 65. Lebensjahr erreicht hat. Basis Jahr 1949: 100%
Daten: Statistisches Bundesamt; Graphik: FORAIM

Im Jahr 1949 betrug die weitere Lebenserwartung einer Frau 13,7 Jahre. Diese Lebenserwartung ist kontnuierlich gestiegen. Wer im Jahre 2009 das 65. Lebensjahr erreicht hat, hatte damit eine weitere Lebensdauer von über 20 Jahren zu erreichen. Ein ähnliches Bild zeichnet sich für Männer ab:

Zunahme (saldiert) der weiteren Lebenserwartung eines Mannes, der das 65. Lebensjahr erreicht hat. Basis Jahr 1949:100%
Daten: Statistisches Bundesamt; Graphik: FORAIM

Allerdings ist die zunehmende Lebensdauer mit einer sehr hohen Wahr- scheinlichkeit verbunden, im Alter ein Pflegefall zu werden. Während im Alter von 70 bis 74 Jahren ein Pflegefall nur 5% aller Männer und Frauen betrifft, steigt dieser Anteil im Alter von 80 bis 84 Jahren auf 20% und liegt in der nächsten 5 Jahresperiode bei 36%. Gleichzeitig nimmt der Grad der Pflegebedürftigkeit zu. Im Alter von 65 bis 70 Jahren erreicht  bereits jeder  9. Pflegebedürftige die Pflegestufe III. Der Anteil nimmt zu, sodass bei 95 –jährigen jeder 5. Pflegebedürftige die Pflegeklasse III hat. (2)

Faktisch zeigt sich, dass unabhängig vom Grad der Pflegebedürftigkeit, der Anteil derjenigen, die in Pflegeheimen leben sehr hoch ist. Über alle Altersklassen hinweg beträgt er 36%. Und dies ist mit sehr hohen Kosten verbunden, die in aller Regel nicht durch die gesetzliche Pflegeversicherung gedeckt sind. Der durchschnittliche Tagessatz für einen nach Pflegestufe III hilfsbedürftigen Menschen beträgt in einem Pflegeheim ca. 115 Euro täglich, also ca. 3.450 Euro im Monat. Der Höchstsatz, den die gesetzliche Pflegeversicherung zahl,t beträgt dagegen nur 1.550 Euro monatlich ( in Härtefällen 1.918 Euro).

Für welchen Zeitraum ist nun die  Differenz von 1.900 Euro monatlich aufzubringen? Hier gibt es unterschiedliche Aussagen, die zwischen 4,5 Jahren bis 9 Jahre schwanken (3). Diese Zahlen liegen weit auseinander, wobei es wahrscheinlich ist, dass die durchschnittliche Dauer der Pflegebedürftigkeit bei älteren Menschen kürzer ausfällt als bei jungen Menschen. Nimmt man aber vorsichtig geschätzt einen Zeitraum von 3 Jahren an, so betragen diese „nicht gedeckten“ Kosten 68.000 Euro. Wohlgemerkt, dieser Betrag kann durchaus höher ausfallen.

Was bedeutet dies für Ihre Altersversorgung?

Diese 68.000 Euro sind fehlendes Kapital für die angestrebte Altersversorgung , welches Sie wahrscheinlich besser verwenden können, um in der Zeit Ihres Ruhestands, in der Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit ohne gesundheitliche Beeinträchtigung leben und Ihre Vorstellungen verwirklichen können, fehlt.

Es mag hiergegen folgende individuelle Einwände geben:

  • Sie sind so ausreichend mit Kapital im Alter versorgt sind, dass Ihnen „nichts fehlt“. -> Dann beachten Sie bitte, dass dies der Betrag ist, der Ihr potentielles Erbe schmälert.
  • Sie sehen im Gegenteil keine Chance, überhaupt adäquat für Ihr Alter vorzusorgen, sodass Sie dieses Risiko einfach in Kauf nehmen müssen.                                       -> In diesem Fall beachten Sie bitte, dass de facto nicht Sie dieses finanzielle Risiko tragen, sondern Ihre Kinder, die zur Deckung der Kosten vom Sozialamt herangezogen werden können.

Genau in einem solchen Szenario gewinnt eine Versicherung berechtigte Bedeutung. Und dies gilt umso mehr, wenn es Versicherungslösungen gibt, bei denen Ihr Einsatz überschaubar bleibt.

Ein Beispiel:

Wir betrachten in diesem Beispiel nur eine Absicherung des „teuersten“ Risikofall, also einer Absicherung des Pflegefalls in der Pflegestufe III in Höhe von 1.900 Euro.  Für eine solche Absicherung sind bei einer Pflegerentenversicherung mit sehr guten Bedingungen für einen 49-jährigen Mann monatlich ca. 28,65 Euro zu zahlen. Bei dem hier betrachteten Versicherungsangebot gilt es eine Besonderheit zu beachten: Im Falle einer Kündigung besteht ein Anspruch auf Auszahlung eines Rückkaufswert. Dieser Aspekt ist bei der individuellen Entscheidung, ob eine solche Versicherung abgeschlossen werden soll, nicht zu vernachlässigen. Denn es gibt für die Zukunft genau drei wesentliche Szenarien:

Wie diese Folgen finanziell zu bewerten sind, wenn Sie eine ergänzende Pflegeversicherung abgeschlossen haben, zeigt die folgende Übersicht:

Durch die Option eine Pflegerentenversicherung zu kündigen, ergibt sich eine geringere Gesamtbelastung als diejenige, die zunächst durch den laufenden Beitrag ausgewiesen ist. Der Rückkaufswert führt dazu, dass nur in einem der drei genannten Szenarien, die Versicherung (im Nachhinein) einen komplett verloren Aufwand darstellt.

Wer ernsthaft für sein Alter versorgen will, sollte beachten, dass aufgrund zunehmender Wahrscheinlichkeit ein Pflegefall zu werden (und aktuell schon relativ hoher Wahrscheinlichkeit) später ein Teil des ersparten Vermögens als Reserve für dieses Risiko beiseite gelegt werden muss ( es sei denn, dieses Risiko soll durch die Familie getragen werden -siehe oben). Dieses „Reservekapital“ dient also nicht dazu, Ihren Ruhestand auch finanziell zu geniessen.

Sie sagen jetzt vielleicht: Das mag ja alles richtig argumentiert sein, aber „ich weiss ja gar nicht, wie ich im hohen Alter denken werden. Auch diese Überlegung ist für eine individuelle Entscheidung sehr wichtig. Vielleicht liefert Ihnen das Untersuchungsergebnis über Veränderungen der 4 wichtigsten Themen im Laufe des Lebens einen Anhaltspunkt. Siehe dazu Anmerkungen (4)

Möchten Sie mehr Informationen? Sie können konkrete, unverbindliche Angebote auf unserer Homepage anfordern.

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Anmerkungen

(1)    Quelle: Gesundheit und Krankheit im Alter, Eine gemeinsame Veröffentlichung des Statistischen Bundesamtes, des Deutschen Zentrums für Altersfragen und des Robert Koch-Instituts, Berlin 2009 Link http://www.gbe-bund.de/gbe10/owards.prc_show_pdf?p_id=11828&p_sprache=d&p_uid=gast&p_aid=62258459&p_lfd_nr=1

(2)    Ein vergleichbares Fazit zieht das Rostocker Zentrum zurErforschung des demographischen Wandels. „Es zeichnet sich ab, dass die durchschnittliche Dauer, die Menschen in Pflege verbringen, ansteigen wird – die Zunahme der gesunden Lebenserwartung ist jedoch größer als die Zunahme der Pflegedauer.“ Quelle: Informationsdienst Wissenschaft (14.2.2008) Link: http://idw-online.de/pages/de/news246946

(3)    Dies sind Zahlenangaben, die sich im Internet finden. Sie stammen zum Teil von Anbietern, sodass man die Aussagekraft eingeschränkt sehen sollte. Es scheinen aber tatsächlich fundierte Zahlen im  Internet nicht öffentlich verfügbar zu sein. Vgl. Fokus     Pflegeversicherung, Nach der Reform ist vor der Reform; Wissenschaftliches Institut der AOK; Berlin 2009  Link http://www.wido.de/fileadmin/wido/downloads/pdf_pflege/wido_pfl_pub_Fokus_0909.pdf  S.28 „…da es dazu u. a. statistischer Angaben zur altersspezifischen Eintrittswahrscheinlichkeit von Pflegebedürftigkeit zur Pflegeverweildauer bedarf, die nicht zur Verfügung stehen.

(4) Bevor Sie aber mit Ihrer Planung für weiter in Zukunft liegende Situationen beginnen, sollte aber ehrlicherweise auch betrachtet werden, ob denn Ihre heutigen Wünsche und Vorstellungen auch noch in Zukunft gelten könnten. Präferenzen können sich ändern. Als Ausgangsbasis für Ihre eigenen Entscheidungen könnte eine typische Prioritätenliste der jeweils vier wichtigsten Themen dienen.

Alter 40-54 Jahre

  1. Sicherheit Familie
  2. Harmonische Partnerschaft
  3. Geistige Leistungsfähigkeit
  4. Beruflicher Erfolg

Alter 55-64 Jahre

  1. Sicherheit Familie
  2. Geistige Leistungsfähigkeit
  3. Harmonische Partnerschaft
  4. Gesundheit

Alter 65-74 Jahre

  1. Sicherheit Familie
  2. Gesundheit
  3. Geistige Leistungsfähigkeit
  4. Mitfühlendes Verständnis

Alter 75-84 Jahre

  1. Gesundheit
  2. Sicherheit Familie
  3. Geistige Leistungsfähigkeit
  4. Mitfühlendes Verständnis

Quelle: Alterssurvey, Basisstichprobe 2002 ( aus Gesundheit und Krankheit im Alter, Eine gemeinsame Veröffentlichung des Statistischen Bundesamtes, des Deutschen Zentrums für Altersfragen und des Robert Koch-Instituts, Berlin 2009 Link http://www.gbe-bund.de/gbe10/owards.prc_show_pdf?p_id=11828&p_sprache=d&p_uid=gast&p_aid=62258459&p_lfd_nr=1

2 Gedanken zu “Betrachtung zur Pflegeversicherung: Häufig eine finanziell lukrative Entscheidung

  1. Vielen Dank für Ihren Kommentar, Herr Sieverth. Der Hinweis sich an einen geigneten Berater zu wenden ist hilfreich. Es gibt eine Unmenge unterschiedlicher Tarifgestaltungen und in dem Beitrag haben wir nur ein Beispiel gegegeben. Bei ein er individuellen Beratung berücksichtigen wir natürlich mehr.

  2. Danke für diese gute und ausführliche Argumentation. Da ich mich auch schon lange mit dem Thema beschäftige kann ich Ihnen nur zustimmen. Wichtig ist es, individuell zu überlegen, was man möchte und wie man sich entwickeln möchte. Erst dann kann man das passende Produkt finden. Fachberater können bei einer solchen Entscheidungsfindung sehr stark unterstützen.

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