Kann ein negatives Fondsergebnis von gutem Fondsmanagement zeugen?


Es gehört zu unserer Arbeit, immer einmal wieder mit Mitarbeitern von Investmentfondsanbietern zu telefonieren. Durch Zufall kam ich dabei vor einigen Tagen auf den Investmentfonds WARBURG-BUND TREND active short zu sprechen. In der Vergangenheit hatten wir diesen Fonds in unserem defensiven Musterdepot eingesetzt (zur Zeit findet er allerdings keine Berücksichtigung). Der Fonds hat einen durchaus interessanten Ansatz: Er investiert in deutsche Staatsanleihen, kann aber im Gegensatz zu klassischen Rentenfonds bei steigenden Zinsen Gewinne realisieren. Normalerweise reagieren Rentenfonds bei steigenden Zinsen mit Kursverlusten. Dieser Fonds dagegen verkauft in Zeiten steigender Zinsen Bund-Future-Kontrakte. Bildhaft gesprochen entstehen damit negative Laufzeiten. Und während bei klassischen Rentenfonds in einem Umfeld steigender Zinsen die Kursverluste um so höher ausfallen, je länger die Laufzeit ist, bestehen in dem WARBURG-BUND TREND active short in diesem Umfeld um so höhere Chancen auf Kursgewinne je mehr die Laufzeit -bildlich gesprochen- ins Negative läuft.

Weil es sich um ein klares technisches Modell handelt, dass ausschließlich die relevante vergangene Entwicklung berücksichtigt und nicht in irgendeiner Art und Weise die Zukunft aufgrund vergangener Werte „vorhersagt“, eignet sich der Fonds gut zum Einsatz in ein Portfolio, wenn man steigende Zinssätze erwartet.

Aber wenn die Erwartung steigender Zinssätze sich nicht erfüllt, muss sich dieser Fonds logischerweise negativ entwickeln.

Warburg Bund Trend active short. Datenquelle: FVBS * Erstellt: FORAIM
Vergangenheitswerte sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Entwicklungen.

Nur in dem Fall, wenn von dem Modell abgewichen würde und/oder der Fondsmanager quasi manuell in das technische System eingreift, könnte sich in Phasen steigender Zinsen ein positives Fondsergebnis einstellen.

Dann würde aber auch in Zeiten steigender Zinsen (in denen der Fonds aufgrund der Konstruktion Kursgewinne realisieren müsste) ein nicht mehr „berechenbares“ Ergebnis einstellen. Unberechenbar wäre der Fonds für Sie genau deshalb, weil ungewiss ist, ob nicht jetzt auch in das System eingegriffen werden würde. Meiner Ansicht nach könnte man diesen Fonds dann nicht mehr gezielt in einem Depot einsetzen, und dieser interessante Ansatz würde viel von seinem Charme verlieren.

Wenn der Fonds also seit Anfang 2011 Verluste erzielt (eben weil die Zinsen gesunken sind) so zeugt dies gerade von einem „guten“ Fondsmanagement. Der Fonds ist berechenbar. Und eine berechenbare und konsequente Strategie ist für die Zusammenstellung eines Investmentdepots unerlässlich, allein schon aus Diversifikationsgesichtspunkten.

Für mich bleibt dieser Fonds auf der „Watchlist“. Sollten sich irgendwann Zeiten ergeben, in denen sich die Wahrscheinlichkeit steigender Zinsen von Staatsanleihen verdichtet, kann es sehr zweckmäßig sein, diesen Fonds in seinem Depot zu haben. Sollten dann entgegen der Erwartung die Zinsen sinken, sind Verluste mit diesem Fonds allerdings unvermeidlich. Schuld hat aber nicht das Fondsmanagement, vielmehr war die Markterwartung des Anlegers/Beraters falsch.

Nicht alle Vermittler und Berater haben diese Sichtweise. So habe ich gehört, dass etliche Berater/Vermittler es gern gesehen hätten,  wenn der Fondsmanager von seiner Strategie abgewichen wäre. Ich bin dankbar dafür, dass vom Fondsmanagement derartigen Erwartungen und Wünschen nicht entsprochen wurde. So bleibt ein Fonds verläßlich und kann deshalb zu gegebener Zeit wieder seinen Platz in einem Depot finden.

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Disclaimer: Dieser Artikel stellt weder eine Anlageempfehlung noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf dieses Fonds dar. Für mehr Informationen sprechen Sie uns oder Ihren persönlichen Berater an.

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