Wie man eine Rürup-Rente richtig kauft?


Anscheinend ist es notwendig, diese Frage – aufgeworfen durch einen Artikel der Süddeutschen Zeitung – einmal zu beantworten. „Lebenslang in der Rürup-Falle“ heißt es dort. Doch anders als der Titel suggeriert, wird nicht die Phase des Rentenbezugs thematisiert, sondern die Ansparphase: Ein erfolgreicher Architekt – Mitte der 40-er Jahre – erkennt die Notwendigkeit, etwas für seine Altersversorgung zu tun, und schließt eine Rürup-Rente mit einem Jahresbeitrag von 10.000 Euro ab.  Seine Motive waren

  • „Ich hatte einen Höhenflug und dachte, ab jetzt verdiene ich immer so viel.“
  • „Man denkt dann ja immer: Steuer sparen, das ist gut.“

Heute stellt unser Architekt fest, dass sein Einkommen deutlich gesunken ist, sodass die jährliche Beitragszahlung von 10.000 Euro nicht mehr zu erbringen ist und zusätzlich die Steuerersparnis geringer ausfällt, weil sein Gewinn eingebrochen ist.

Entscheidungen für eine Geldanlage, die auf dieser Basis getroffen werden, beinhalten immer die Gefahr teure Fehlentscheidungen zu werden. Dies gilt nicht nur für die Rürup-Rente. Der Architekt hätte sich mit diesen Argumenten genauso dazu verleiten lassen können:

  • ein überteuertes Luxusauto als Firmenfahrzeug zu kaufen und zu finanzieren oder zu leasen
  • eine oder gleich mehrere vermietete Immobilie zu kaufen und zu finanzieren

Auch in diesen beiden Fällen könnte ein Notverkauf, weil die Belastung nicht mehr zu erbringen ist, zu hohen finanziellen Verlusten führen. Wobei die Rürup-Rente noch den Nachteil hat, dass ein Notverkauf in der Regel nicht möglich ist. Aber: Unser Architekt hätte beim Abschluss der Rürup-Rente mehr Optionen gehabt, als bei den anderen beiden „Steuersparmodellen“ (Firmen-Kfz oder vermietete Immobilie):

  • Die Steuerersparnis bei der Rürup-Rente hätte er auch mit einer Einmalzahlung realisieren können.
  • Oder er hätte einen minimalen Monatsbeitrag von z.B. 50 Euro wählen können und dann jedes Jahr neu entscheiden können, ob und in welcher Höhe er Zuzahlungen tätigt.

Idealerweise hätte der Versicherungsvertreter ihn darauf hinweisen sollen. (Übrigens ebenso, wie dies der Porsche-Verkäufer hätte tun müssen, wenn sich der Architekt für das teure Firmenauto entschieden hätte 🙂 ) Nein, das Porschebeispiel ist nicht sachgerecht. Denn der Autoverkäufer kann nur ein oder wenige Produkte verkaufen, und diese sind nicht so variabel gestaltbar, wie viele Versicherungsprodukte und Geldanlagen.

Zur Variabilität der Rürup-Renten-Angebote

Sie sollten anhand Ihrer Lebensplanung und unter Einbeziehung von Unwägbarkeiten folgende Wahlmöglichkeiten in Hinblick auf die Tragbarkeit der Belastung beachten:

  • Einmalbeitragszahlung
  • Geringen Monatsbeitrag mit Zuzahlungsoptionen wählen. Dies kann günstiger sein, als immer mal wieder einen Vertrag mit Einmalzahlung abzuschliessen (1). Jedenfalls dann, wenn Sie nicht sicher sein können, immer den relativ hohen Mindestbeitrag für eine Einmalzahlung zu erbringen

Grundsätzlich scheint es uns sinnvoll, einen nicht zu hohen laufenden Beitrag zu wählen. Dadurch haben Sie die Möglichkeit von künftigen Versicherungsinnovationen (2) zu profitieren, indem Sie dann, wenn mehr Geld (voraussichtlich dauerhaft) zur Verfügung steht einen neuen innovativeren Vertrag abschliessen. Zudem diversfizieren Sie damit Ihre Anlageentscheidung auch.

Wohlgemerkt diese Aspekte beziehen sich nur auf die finanzielle Tragbarkeit der Beitragsbelastung. Daneben gibt es eine Vielzahl weiterer Gestaltungsoptionen, die wir in späteren Beiträgen einmal behandeln werden. Die Rürup-Rente kann also ein wesentlich flexibleres Modell sein, um Steuern zu sparen, als zum Beispiel der Porsche oder welches Auto auch immer.

Warum wird diese Flexibilität so wenig genutzt? Nun ja, dies ist ein Geldthema – diesmal auf Seiten des Anbieters. Die Vergütung (Provision) für den Verkäufer einer Rürup-Rente hängt fast immer von der Summe der zu zahlenden Beiträge ab. Je länger der Vertrag läuft und je höher die laufenden Beiträge sind, umso höher fällt die Vergütung aus.

Wenn wir also die Option eines länger laufenden Vertrages mit kleinen Beiträgen in einigen Fällen für sinnvoller als Einmalbeiträge halten, so ist dies mit höheren Einnahmen für den Versicherungsvermittler verbunden. Welche Möglichkeiten (3) gibt es nun, um für beide Parteien (den abschlusswilligen Kunden und den Vermittler) zu einer wirtschaftlich sinnvollen Lösung zu kommen:

  • Beratung durch Honorarberater. Dieser gibt eine Empfehlung auf Basis eines festen Honorars. Damit ist aber noch nicht der Abschluss des Rürup-Vertrages mit verminderter Provisionszahlung oder komplett ohne Berechnung von Provisionen erfolgt. Komplett ohne Provisionen als sogenannte Nettotarife können Sie längst nicht alle möglichen Rürup-Verträge abschließen.
  • Sie können aber auch bei einigen Finanz- und Versicherungsmaklern Rürup-Versicherungen verschiedener Gesellschaften mit individuell reduzierten Abschlussprovisionen abschließen. Diese Möglichkeit ist relativ wenig bekannt, denn gerade Versicherungsgesellschaften mit innovativen Rürup-Verträgen versuchen zu unterbinden, dass Versicherungsmakler diese Rabattmöglichkeit umfassend bewerben. In der Regel wird dies nur zeitlich und für einen bestimmten Kundenkreis begrenzt zugelassen. Fragen kostet übrigens nichts. Und übrigens unsere Social Media Freunde informieren wir regelmässig.

Mehr grundsätzliche Informationen zur Rürup-Rente finden Sie hier.

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Anmerkungen

(1) Zu beachten ist, das sogenannte Stückkosten dazu führen können, dass ein kleiner Monatsbeitrag zu einer schlechteren Rendite des Vertrages führen kann.

(2) Ja, es gibt echte Versicherungsinnovationen, die nicht nur Marketinggags sind.

(3) Das Thema Provisionsabgabe betrachten wir an dieser Stelle nicht.

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