Hauptsache Inflation


Lobenswert ist, dass die Wochenzeitschrift „Die Zeit“ zu unterschiedlichen Themen immer einmal wieder Pro- und Contra-Artikel gegenüberstellt. So auch in der letzten Printausgabe (Nr. 26 vom 11.10.12)  zum Thema Inflation. Unter der Headlinie „Tobt die Inflation“ übernimmt Josef Joffe die Pro-Argumentation. Er schreibt also, dass es stürme.

Zugegeben, es ist schwierig zu argumentieren, dass aktuell die Inflation stürmt. Deshalb lässt er auch schnell die „typische“ Inflation beiseite. Nein, die Preise der Güter, die in dem Warenkorb zur Messung der Inflation enthalten sind, steigen nicht . Und sie steigen erst recht nicht auf Grund hoher Nachfrage und eingeschränktem Angebot. Wie sollten sie denn auch steigen? Die immer wieder als Ursache für die Inflation angeführte Geldmengenausweitung, ist eben nicht in Form von Lohnerhöhungen beim Verbraucher angekommen.

Welche Ansätze für eine „tobende“ Inflation bleiben  nun Herrn Joffe? (Sonst übrigens  von mir meist sehr geschätzt)

  • 1. Unterscheidung in core inflation und headlinie inflation
  • 2. Asset Inflation

Auf die aus den USA stammende Unterscheidung einer Kerninflation (core inflation) und headlinie inflation (jahreszeitlich oder zyklisch bedingte Inflation) will ich an dieser Stelle nicht näher eingehen. Sie scheint mir nicht der Kernpunkt der Diskussion bzw. deutschen Furcht vor der Inflation.

Die Gefahr einer Vermögenswertinflation (Asset-Inflation) scheint mir dagegen durchaus gegeben. Aber hier ist zunächst zu fragen, ob der Begriff „Gefahr“ oder „Möglichkeit“ gewählt werden sollte. Weiter sollten zwei sehr unterschiedliche Szenarien, die „typische“ Inflation und die Asset-Inflation nicht unter einem Begriff Inflation zusammengefasst werden.

Zur Unterscheidung der Begriffe „Gefahr“ versus „Möglichkeit“:

Wird von der Gefahr einer Vermögensinflation gesprochen, so enthält dies eine Wertung dahingehend, diese Situation sei zu meiden. Ich persönliche wünsche nun wirklich niemanden, er möge durch eine Assetinflation Geld verlieren. Nur muss leider unter den Annahmen einer mehr oder weniger freien Marktwirtschaft festgestellt werden, dass eine „falsche“ Anlageentscheidung bzw. Fehlallokation des Kapitals gerade zu Verlusten führen soll. Und sollte nun irgendwann eine Goldblase oder mögliche Immobilienblase platzen, so scheint mir zumindest das Platzen einer Goldblase wirtschaftlich gesehen sinnvoll. Denn eine Anlage in Gold ist sicher nicht wachstumsfördernd. Eben weil die Geldmengenausweitung nicht in der produktiven Wirtschaft genutz wird.

Übrigens können das Platzen von Blasen in Hinblick auf Strukturwandel sehr sinnvoll sein, wenngleich dies auch für Anleger, die in die überbewertete Anlageklasse invesitert haben, schmerzhaft ist (1).

Genau genommen besteht auch keine Gefahr von Vermögensinflation generell sondern nur die Möglichkeit, dass sich Blasen in einzelnen Anlageklassen bilden, also z.B.  bei Gold, Immobilen und Ackerland (2). Weil die Anlagemöglichkeiten weit mehr also diese drei Formen umfassen, ergibt sich die Verlustgefahr eben dadurch, dass der Anleger „falsch“ investiert, er kann ja auch frei anders entscheiden So funktioniert unser Wirtschaftssystem.

Aber ich will nicht unerwähnt lassen, dass das Platzen einer auf einer einzelnen Anlageklassen beschränkten Blase negative Folgen haben kann.  Dies äußert sich unter anderem in Vertrauensverlust. Und Vertrauen ist wahrscheinlich eine der wesentlichen Voraussetzungen für Wachstum.

Hier aber schliesst sich der Kreis ein wenig.

Werfen wir die „typische“ Inflation und die Asset-Inflation in einen „Topf“, so ist dies für den Normalbürger verwirrend, bekräftigt seine Urangst vor Inflation und schafft mit Sicherheit kein Vertrauen. Leider ist aber das Thema Inflation sehr medienwirksam. Es lohnt sich also hierüber zu schreiben, nach dem Motto „Hauptsache Inflation“

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(1) Vergleiche hierzu z.B. unser Skript: Spätfolgen der Finanzkrise- Welche Blase kann als nächstes platzen

(2) Die Anlageklasse mit den möglicherweise schwerwiegensten Folgen beim Platzen einer Blase, die Rentenpapiere, wird in dem Artikel leider nicht erwähnt.

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