Vermögenszuwachs der Milliardäre – das wäre auch mit Investmentfonds möglich gewesen


Gestern meldete Capital: Die Vermögen der deutschen Milliardäre sei im letzten Jahr um gut 4% gestiegen. Das klingt in Anbetracht der Festgeldzinsen, die viele der sehr zurückhaltenden und verängstigten „Normalanleger“ realisieren, beeindruckend. Anders sieht es aus, wenn die Vermögensentwicklung der Milliardäre seit dem Krisenjahr 2008 betrachtet wird. Es zeigt sich, dass der aktuelle Vermögensstand von 319,85 Mrd Euro immer noch unter dem Höchstwert von 2008 mit  324,6 Mrd Euro liegt. Dies ist kein sonderlich beeindruckendes Ergebnis, vergleicht man diese negative Vermögensentwicklung von ca -1,5% mit dem Ergebnis, das fast jeder Normalanleger mit einer zurückhaltenden Anlagenstrategie in relativ „langweiligen“ Investmentfonds erreicht hätte. Dazu betrachten wir die durchschnittliche Wertentwicklung folgender Investmentfondskategorien (Anm.:1):

  • Dachfonds – überwiegend Rentenfonds
  • Dachfonds – Aktien und Rentenfonds
  • Absolut Return Fonds – rentenorientiert
  • Absolut Return Fonds- aktienorientiert
  • Absolut Return Fonds – sonstige Strategien

Leider ergibt sich aus der Capital nicht der genaue Zeitraum der Vermögenszuwächse, deshalb betrachten wir zunächst die Wertentwicklung im Zeitraum vom 1.Dezember 2008 bis 31.Juli 2012. Die kumulierten Wertzuwächse lagen in allen genannten  Fondskategorien über 11% bis hin zu 18,1%. Dies ist deutlich besser als die Leistung der Milliardäre (oder dessen Berater) von -1,5%:

Blau: Dachfonds-überwiegend Renten; Grau: Dachfonds: Aktien und Renten; Schwarz: Absolut Return – rentenorientiert ; Rot: Absolut Return – sonstige Strategien; Grün: Absolute Return -aktienorieniert.
Erstellt: FORAIM – Datenquelle und Programm: FVBS

Aber auch, wenn ein anderer Zeitraum gewählt wird, zeigt sich ein besseres Ergebnis für den Investmentfondsanleger, der es schafft bei der Auswahl des Fonds nur den Durchschnitt zu treffen (Anm.:2). Hier die Entwicklung vom 1.7.2008 an (also gerade vor dem Crash, ein im Nachhinein denkbar unglücklicher Investitionszeitpunkt für viele Anlageklassen):

Erstellt von FORAIM; Datenquelle und Graphik: FVBS

Leglich im letzten Jahr 2011 (Anm.3) waren die Milliardäre  mit einem Ergebnis von gut 4% besser. Hier wies die Katogorie Dachfonds Aktien und Renten im Durchschnitt ein negatives Ergebnis auf und „nur“ die rentenorientierten Absolut Return Fonds haben mit 4,84% die Milliardäre im Ergebnis übertroffen. Allerdings ist hier zu berücksichtigen, dass Milliardäre auch andere alternative Anlagenklassen, wie zum Beispiel Private Equity, in Ihren Depots berücksichtigen. Aber diese Chance haben viele „Normalanleger“ auch, weil hier breit gestreute Beteiligungen über geschlossene Fonds in der Regel bereits ab 10.000 Euro möglich sind (4).

Erstellt von FORAIM; Daten und Graphik: FVBS

Man muss fast sagen: „natürlich“ haben viele Normalanleger ihre Chancen nicht genutzt und waren nicht in diesen Fondskategorien investiert, sondern bevorzugten Tagesgeld oder Festgeldanlagen, weil sie diesen Anlageformen mehr vertraut haben. Hier besteht leider (mit Einschränkungen) ein Informationsdefizit hinsichtlich der Sicherheit (5) der Anlagen.

Lassen Sie mich aber noch ein „volkswirtschaftliches“ Wort zu dem „Anlageerfolg“ der Milliardäre sagen: Wenn insgesamt das Kapital der Milliardäre seit 2008 kein positives Ergebnis erbracht hat, sei auch einmal die Frage erlaubt, ob dieses Kapital in gesamtwirtschaftlicher Sicht effizient investiert wurde? Hier zeigt sich ein Aspekt im Zusammenhang mit der Finanzkrise, der von den Ökonomen meiner Kenntnis nach kaum diskutiert wird: die abnehmende Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals, insbesondere in Hinblick auf die extreme Kapitalakkumulation der extrem vermögenden Privatpersonen. So ganz abwägig ist dieser Aspekt nicht, wie mir auf einer Konferenz vor kurzem der Chefsvolkswirt des Bankhauses Sal. Oppenheim, Frank Hübner, in einem kurzen Gespräch bestätigte.

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Anmerkungen:

(1) Die Anzahl der in der Kategorie betrachteten Fonds beträgt:

  • Dachfonds – überwiegend Rentenfonds:238
  • Dachfonds – Aktien und Rentenfonds: 527
  • Absolut Return Fonds – rentenorientiert: 233
  • Absolut Return Fonds- aktienorientiert: 222
  • Absolut Return Fonds – sonstige Strategien:406

(2) Die laufenden internen Kosten sind berücksichtigt, nicht aber der Ausgabeaufschlag. Dieser ist aber bekanntlich in vielen Fällen verhandelbar. Eine Durchschnittsbetrachtung weist natürlich Schwächen auf, wenn es extreme Abweichungen gibt. Weil ich hier aber keine wissenschaftliche Arbeit abliefern möchte, nehme ich diese – wie auch andere – Einschränkungen der Aussagekraft in Kauf.

(3) Wie gesagt, waren dem Artikel nicht die exakten Zeitangaben zu entnehmen, deshalb habe ich hier den Zeitraum 1.8.2011 bis 31.7.2012 betrachtet.

(4) Die besonderen Risiken dieser Anlageklasse sind den Verkaufsprospekten zu entnehmen.

(5) Hier wäre der Begriff der Sicherheit zu diskutieren. Einen umfassenden Überblick finden Sie auf unserer Homepage.

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