Herdentrieb ruiniert Fondsperformance – wo liegt die „Schuld“


Die FTD berichtete vor einigen Tagen von einer Untersuchung der Ratingagentur Morning Star, wonach der Herdentrieb die Fondsperformance der Anleger negativ beeinflusst und führt als Beispiel zwei Investmentfonds an: Pimco GIS Total Return Bond und Templeton Global Bond. Auf den ersten Blick scheint die Ursache klar: falsches Timing und Orientierung anhand der bisherigen guten Performance. Was ist zu tun, um bessere Ergebnisse zu erzielen?

Jeder Berater und Anleger sollte sich fragen, was denn die Gründe der zunächst guten Performance waren. Natürlich spielen Können und Glück des Fondsmanagers eine Rolle:

  • Können: lässt sich mit Einschränkungen beurteilen, wenn der Fonds mit dem Ergebnis gleichartiger Fonds verglichen wird
  • Glück: welche Rolle dieses Kriterium bei der Erzielung des vergangenen Ergebnisses gespielt hat, lässt sich nicht mit Sicherheit feststellen. Es wird aber immer einen Einfluss haben

Neben diesen Kriterien spielt aber auch das Anlagespektrum des Fonds eine Rolle (es ist natürlich ein Unterschied ob in Aktien- oder Rentenwerte investiert wird). Somit ist es also unerlässlich, das Ergebnis des Fonds im Vergleich zu seinem Markt zu sehen. Den Begriff „Markt“ sollte man hierbei nicht zu eng sehen, besser ist es die Ertragsquellen des Fonds zu kennen. Und hier gab es möglicherweise gerade beim Templeton Global Bond Fehleinschätzungen. In Statistiken wird der Fonds als Fonds für internationale Staatsanleihen geführt. Innerhalb eines solchen Fonds kann der Manager auf die Ertragsquellen (laufender Kupon, Änderung der Bonitätseinschätzungen und erwartete Zinsentwicklungen) abstellen und hat dann noch die Wechselkursänderungsrisiken zu berücksichtigen. Dies scheint mir der häufig anzutreffende Ansatz. Beim Templeton Global Bond  sind aber auch Wechselkursänderungen zwischen unterschiedlichsten Währungen als Ertragsquellen möglich und werden meiner Kenntnis nach auch aktiv genutzt. Vereinfacht gesagt: neben den klassischen Ertragsquellen von Staatsanleihen spielen auch Währungsänderungen eine Rolle.

Und mit dieser Kenntnis hätte ein Berater also „wach“ werden müssen. Die Finanzkrise 2008 war zu Beginn des Jahres 2009 noch nicht „verdaut“ (was sie meiner Meinung nach immer noch nicht ist). Die Thema Sicherheit der Banken, Staaten und des Geldes „überhaupt“ stand damals deutlich im Fokus. Wenn man nun etwas intensiver über Geld nachdenkt (statt nur vom „Geld drucken“ zu reden), erkennt man relativ einfach: nationales Geld ist in letzter Konsequenz Vertrauen (so ähnlich auch Stiglitz) und international spiegelt sich dieses Vertrauen in Veränderungen der Währungsrelationen wider. Dies kann auch aus nachstehender Graphik interpretiert werden.

Die kräftige schwarze Linie stellt die Wertentwicklung des Templeton Global Bonds dar. Daneben sind die Wertentwicklungen unterschiedlicher Währungen zum Euro dargestellt. Nach der Finanzkrise haben die Schwankungen deutlich zugenommen. Ebenso ergab sich ab diesem Zeitraum ein besonders hoher Wertzuwachs des Templeton Global Bond. Es darf daraus aber keine eindeutige Kausalität abgeleitet werden.
Quelle Graphik: FVBS

Mit der Finanzkrise nahmen die Wechselkursschwankungen deutlich zu. Und genau damit hatte der Manager des Fonds, Michael Hasenstab, eine hervorragende Chance, um eine überdurchschnittliche Performance zu erzielen. Natürlich hätte er seinen Fonds auch zu einem anderen Ergebnis führen können (da kommt dann Glück und Können) ins Spiel.

Der Fonds hätte also niemals allein aufgrund der Vergangenheitsperformance empfohlen werden dürfen (die übrigens in den Jahren 2003 bis 2007) nicht extrem gut war, sondern als Beimischung, wenn der Berater und der Kunde auf das Thema „Währungen“ setzt.

Und das Thema „Rein und Raus“ hätte ein Berater auch vermeiden können, wenn er regelmässig die Informationen zu dem Fonds gelesen hätte. So war es bekannt, dass der Manager durchaus einige eingegangene Positionen länger hält, auch wenn diese nicht Monat für Monat positive Performance bringen.

Ein etwas überspitztes Fazit: Im Beispiel Templeton Global Bond war wohl weniger der Herdentrieb schuld daran, dass einige Investoren eine unbefriedigende Rendite erhalten haben, als vielmehr unreflektiertes Empfehlen.

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Disclaimer: Dies stellt keine Anlageberatung zum Kauf oder Verkauf des Fonds dar. Sinn und Zweck dieses Artikels ist einzig allein, das Thema „Herdentrieb und Fondsperformance“ näher zu beleuchten. Dazu wurde hier beispielhaft der Templeton Global Bond betrachtet, weil er im genannten FTD Artikel angesprochen wurde. Eine Aussage,ob dieser oder andere Fonds für Sie als Anleger empfehlenswert sind, behalten wir uns einer individuellen Beratung vor. Sie können dazu aber gern unverbindlich mit uns Kontakt aufnehmen.

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