Aus der Fondsindustrie: „Die Angst vor Inflation ist unbegründet“


Einerseits freut es mich ja, diese Aussage vom Chefsvolkswirt des Anleihemanager Bantleon zu lesen. Denn diese Aussage entsprachseit Anfang 2009 meiner Einschätzung. (Zugegeben: ich gab diesem Szenario nur eine Chance von deutlich mehr als 50% gegeben, aber immerhin …) Nur die allzu menschliche Position, mir auf die Schulter zu klopfen, widerstrebt mir. Im Gegenteil: nun muss sich das Denken fortsetzen und eventuell oder besser bestimmt muss ich mir meine Position neu überlegen.

Aber zur „Geschichte“: Weshalb ich nicht unbedingt an die kommende Inflation (ich meine damit eine Preissteigerungsrate von deutlich mehr als 2% bis 3%) geglaubt habe, ergab sich primär daraus, dass „Geld drucken“ zwar eine meist notwendige aber nicht hinreichende Bedingung für Inflation ist. Ähnlich argumentiert Herr Preißler jetzt:„Eine Inflation setzt voraus, dass zu viel Geld im Umlauf ist.“ Ich hatte damals argumentiert,: das Geld müsse bei den Verbraucher ankommen, deren Nachfrage muss steigen und das Angebot muss knapp sein. Und dieses Szenario war nicht absehbar. Natürlich ist auch diese Argumentation nicht vollständig, denn Sie berücksichtigt nicht

  1. Assetinflation als „Sonderform“ der Inflation
  2. Inflation durch steigende Nachfrage der Produzenten (das wäre aber Anfang 2009 eine recht gewagte Annahme gewesen)
  3. Importierte Inflation

Eine Gefahr der Assetinflation hatte ich sehr wohl gesehen, nur dies ist nicht die Form der Inflation, die der normale Bürger mit dem Begriff Inflation verbindet. Wesentlich schwieriger abzuschätzen, schien mir die Möglichkeit der importierten Inflation. Weil meine Einschätzung zur Inflation sich aber nur über einen Zeitraum von 2 bis 3 Jahren erstreckte, hatte ich mich (für mich) entschieden, diesen Aspekt zu vernachlässigen. Auch das erschien mir legitim, denn ich hatte nie eine 100% Aussage getroffen.

Meine Kritik an der Fondsindustrie (aber natürlich auch an andere Propheten):

  • Warum hat man die richtige Überlegung „Eine Inflation setzt voraus, dass zu viel Geld im Umlauf ist.“ nicht schon damals (2009) berücksichtigt?
  • Warum wird der wesentliche Einfluss der Währungsrelationen auf die Möglichkeit einer Inflation nicht explizit berücksichtigt ( Immerhin tangiert Herr Preißler diesen Aspekt: „Danach könnte sie steigen, allerdings nicht wegen einer Zunahme der Liquidität, sondern wegen der Demografie.Dann dürften nämlich in den Schwellenländern, die das Frühstadium einer Industrienation hinter sich gelassen haben, die Arbeitskräfte allmählich knapper werden und entsprechend die Löhne überproportional steigen. Aufgrund des höheren Lohnkostenanteils in den Produkten dürfte schließlich der Inflationsdruck zunehmen.“)

Habe ich jetzt eine Prognose für die nächsten Jahre?

Ich bin da sehr indifferent und was diese Angelegenheit für mich persönlich besonders schwer macht: „Ich muss gerade jetzt jede Einschätzung besonders hinterfragen, denn einmal Recht zu haben ist überhaupt kein Grund, das dies in Zukunft wieder der Fall sein wird.“  Manchmal beneide ich aber die Fondsmanager, Chefvolkswirte und sonstige Propheten. Sie dürfen anscheinend aus Marketinggesichtspunkten weniger reflektieren; zumindest wenn sie sich öffentlich äußern. Was natürlich nicht für Jeden der genannten Personen gilt.

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