Finanzärzte: Und die Freiheit geht vorloren


Zuerst dachte ich, die FAZ mutiert zu einer Kopie der Satirezeitschrift Titanic. Am Freitag veröffentlichte die FAZ den Artikel „Werbeversprechen der Banken sind leere Worthülsen“.

Eigentlich ist dies ja keine sonderlich Aufmerksamkeit heischende Überschrift, sind doch Werbeaussagen häufig leere Worthülsen. Und Banken-Bashing gibt es seit geraumer Zeit reichlich. Dennoch, weil es um das Thema „Die Vermögensfrage“ ging, habe ich den Artikel doch gelesen. Gefordert wird die Einführung von Finanzärzten, damit die Kunden fort an, unabhängig, objektiv und in Ihrem Sinne beraten werden. Und weil diese Finanzärzte dem Kunden ein Rezept erstellen, mit dem er dann die geigneten Produkte kaufen darf, braucht es auch keine weitere Produktregulierung geben. (Man kann ja nichts Schädliches mehr kaufen, es sei denn es ist verschrieben worden) Zitat: „Produkte werden wie in der Medizin verschreibungspflichtig“

Wer geht aber eigentlich gerne zum Arzt? Deshalb wird konkretisiert: „Der staatliche Zwang, vor dem Abschluss zum Fachmann gehen zu müssen,…“  Ja und da haben wir einen weiteren Schritt in – um es vorsichtig zu sagen – Autonomieverlust. Oder deutlicher: Die Freiheit geht zum Teufel!

Etwas versöhnlicher wird es zum Ende des Artikels: „Genauso ist es denkbar, dass der Einkauf von Finanzprodukten ohne Rezept möglich ist, wenn der Kunde im Gegenzug auf Schadenersatz verzichtet, wenn die Geldanlage nicht zum gewünschten Erfolg führt.“

Aber hier frage ich mich, ob ein Fachmann/frau sich mit diesem Thema auseinandergesetzt hat? Bisher war meiner Kenntnis noch niemand verlässlich in der Lage, die Zukunft vorherzusagen. Ein Geldinvestment ist aber eine auf die Zukunft ausgerichtete Entscheidung. Realistisch ist: Es lässt sich nie mit Sicherheit sagen, ob eine Geldanlage zum gewünschten Erfolg führen wird.

Vielleicht wäre es besser ehrlich zu kommunzieren, dass das Leben mit Risiken verbunden ist und vielleicht sollte das Thema Wirtschaft lieber früh und umfassend in der Schule gelehrt werden. Wir, Menschen, würden dann autonom entscheiden können und die Freiheit bliebe.

Aber ich habe noch ein Anliegen, weil mir selbst eine unvernünftige Entscheidung unterlaufen ist: Vor Jahren hatte ich das Bedürfniss auch einmal ein PS-starkes und prestigeträchtiges Auto zu besitzen (heute sage ich: wie unvernünftig). Ich hatte es mir gekauft – denn es gab ja kein „Auto-Kauf-Arzt“ und ein Rezept brauchte ich nicht. Ich hätte das Rezept auch nie bekommen.

Ganz ehrlich: Das Auto hat mir Spass gemacht …….

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