Aktien kaufen, weil reale Werte dahinter stehen?


Die Finanzkrise hat zweifelsohne zu einer hohen Verunsicherung der Anleger geführt. „Wo kann mein Geld sicher angelegt werden? Was hat noch auf Dauer Bestand?“ Auf diese Frage wird von verschiedenen „Experten“ als Ratschlag gegeben, substanzstarke Aktien zu kaufen, weil da „reale Werte“ hinterstehen. Der Anleger freut sich natürlich, wenn komplexe Fragen (wobei die ganze Komplexität häufig gar nicht erkannt wird) einfache Antworten gegeben werden.

Aber so einfach ist die Antwort nun doch wieder nicht. Zunächst sollte der Begriff „reale Werte“ etwas genauer beachtet werden. Dieser Begriff verführt leicht dazu, zu glauben man würde mit einer Beteiligung an Unternehmen (Aktien), „greifbare“ Sachwerte kaufen. Natürlich gehören einem Unternehmen solche Werte, wie Gebäude, Maschinen usw.. Aber der Wert eines Unternehmens wird auch durch immaterielle Werte, wie Lizensen oder Goodwill bestimmt. Aber selbst die materiellen Vermögenswerte, wie z.B. Gebäude, nutzen nur wenig, wenn diese nicht effektiv zur Erwirtschaftung von Gewinnen beitragen. Das Gegenargument: „ein Gebäude habe per se einen Wert“ kann sehr leicht entkräften werden, wenn man sich einmal Industriebrachen anschaut.

Diese Beispiele verdeutlichen sehr schnell, dass die realen Sachwerte allein keinen sonderlich relevanten Wert darstellen. Locker gesagt: „Es kommt darauf an, was man daraus macht.“ … und ob jemand anders, dieses Produkt haben und kaufen möchte. Und da kommt der Mensch, die Mitarbeiter des Unternehmens, und deren Fähigkeiten und Kreativität ins Spiel. Mitarbeiter und Management sind aber nicht „lebenslänglich“ für ein Unternehmen tätig und sie „gehören“ dem Unternehmen nicht. Ihre Leistungen fliessen aber wesentlich in die „Bewertung“ des Unternehmens ein.

Damit stellt eine Aktienanlage natürlich keine Anlage dar, die dauerhaft aufgrund „realer Werte“ Bestand haben muss. Was ja auch die Beobachtung der Wirklichkeit zeigt: Unternehmen gehen pleite, oder anders ausgedrückt: Unternehmen haben eine begrenzte Lebensdauer. Und diese ist gar nicht so lang: die mittlere Lebenserwartung von größeren Unternehmen soll nach einer allerdings älteren Studie nur ca. 50 Jahre betragen.

Noch ein Wort zu „substanzstarken“ Aktien: Häufig versteht man hierunter Aktien mit einem niederigen Kurs-Buch-Wert Verhältnis. Ein KBV von 1 bedeutet, dass die Summe aller in der Bilanz stehenden Vermögenswerte abzüglich Schulden genau dem Wert aller Aktien entspricht. Damit würde man Aktien genau zu dem Wert kaufen, der dem angesprochenen vermeintlichem „realen“ Wert entspricht. In der Regel weisen aber Aktien einen KBV von über 1 aus, was natürlich auch sinnvoll ist, denn:

  • der eigentliche Wert eines Unternehmens ergibt sich daraus, welche Gewinne ein Unternehmen aus dem Einsatz seiner Vermögenswerte erzielen kann.

Es gibt zweifelsohne viele Gründe auch in Aktien zu investieren. Wer sich hierzu aber aus dem Grund entscheidet, weil hinter Aktien reale Werte stehen, verkennt:

  • reale Werte und Sachwerte sind nicht immer identisch
  • reale Werte haben nur Wert, wenn sie genutzt werden und Erträge bringen
  • Substanzstärke stellt immer eine Zeitpunktbetrachtung dar
  • die Lebensdauer von Unternehmen ist begrenzt

Das krisensichere Investment stellen Aktien damit auch nicht dar. Letzendlich bleibt Ihnen hier wohl kein anderer Weg als überlegt und konsequent zu diversifizieren.

Ein Gedanke zu “Aktien kaufen, weil reale Werte dahinter stehen?

  1. Ein wirklich sehr interessanter Artikel! Ich beschäftige mich gerade mit den Möglichkeiten von Aktieninvestments. Aktien stellen wahrscheinlich die beste und rentabelste Möglichkeit der langfristigen Geldanlage dar. Das wichtigste hierbei ist, dass man bevor man in diese Anlageklasse investiert, genau über deren Chancen und Risiken Bescheid weiß. Es gibt unterschiedliche Arten wie man hierbei in Aktien investieren kann. Je nach Risikotyp kann jeder unterschiedlich in den Aktienmarkt investieren. Grundsätzlich muss man hierbei jedoch die Absicht eines längeren Engagements mit sich bringen. Als Investor muss man sich im Klaren sein, dass ein Aktieninvestment Geduld und Zeit beansprucht. Sicherlich kann man auch kurzfristig in Aktien investieren – hierbei dienen diese jedoch nicht mehr zur Geldanlage sondern lediglich zur Spekulation. Obwohl die Aktienmärkte jetzt bereits über zehn Jahren seitwärts laufen bzw. gewisse Indizes ihre Höchststände nicht wieder erreicht haben oder sie diese nicht massiv überschreiten konnten, sind Aktien langfristig betrachtet noch immer die rentabelste Möglichkeit der Geldanlage. Vielleicht bieten gerade so Zeiten, die Zeiten in oder nach einer langen Seitwärtsbewegung, wieder große Chancen für zukünftige Aktieninvestments. Jedoch muss man sich hierbei im Klaren sein, dass man die Zukunft nie von der Vergangenheit ableiten kann.

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