Wie sich Niedrigzinsen einmal rächen können (oder: was Sie aus Japan für Ihre Altersversorgung lernen können)


Das Zinsniveau für deutsche Staatsanleihen ist historisch niedrig. Deutschland kann sogar Darlehen aufnehmen, die mit einem negativen Zins versehen sind. Dies bedeutet für den Staatshaushalt weniger Zinsaufwand zur Bedienung der Staatsschulden. Klingt zunächst nach einer wunderbaren Situation.

Und täuscht damit gewaltig! Die negativen Folgen eines langfristig niedrigen Zinsniveaus kann man eigentlich sehr gut an der Situation der weltgrößten Pensionskasse in Japan sehen. Wie Bloomberg am 26. Juli meldet, muss der Fonds japanische Staatsanleihen verkaufen, um seine Verpflichtungen zu erfüllen.Er kann die Rentenzahlungen also nicht mehr aus den Erträgen erbringen. Dies kann (mindestens) zwei Folgen haben:

  • möglicherweise reicht das Kapital nicht, um die Rentenzahlung (an die überaltete Bevölkerung) zu zahlen
  • es besteht grundsätzlich die Gefahr, dass das Zinsniveau für japanische Staatsanleihen steigt, was sich bei der Höhe der japanischen Staatsverschuldung schnell stark belastend für den Staatshaushalt auswirken kann.

Die Staatsverschuldung ist mit 240% des BIP in Japan wesentlich höher als in den europäischer Staaten. Bisher wurde aber in Hinblick auf die japanischen Staatsverschuldung häufig angeführt, dass diese insoweit nicht so kritisch zu sehen ist, weil sie im wesentlich inländisch finanziert ist. Wie sich jetzt möglicherweise zeigt, ist diese Betrachtung (leider) zu optimistisch.

Was kann uns dies für unsere Zukunft lehren?

Es besteht durchaus auch für uns die Möglichkeit, dass es längerfristig bei einem niedrigen Zinsniveau verbleibt. Gründe:

  • Banken noch instabil
  • öffentliche Haushalte haben Probleme höhere Zinsen zu verkraften

Eine eine so richtige überzeugende Argumentation, wie wir eine Gefährdung unseres immer noch labilen Bankensystems bei steigenden Zinsen vermeiden können, habe ich noch nicht gefunden. Und selbst, wenn die Banken ein höheres Zinsniveau verkraften können, bleibt die Frage wie die Staatshaushalte  Europas dies verkraften können.

Dabei scheinen mir in einem historischen Vergleich Zinssätze, die Spanien heute zahlen muss und die dennoch das Land an den Rand des Ruins bringen, nicht sonderlich hoch. (Aber das ist wahrscheinlich noch ein weiteres Problem)

Ich mag ja eigentlich keine Analogien (denn es gibt in der Wirtschaft selten einen zwingenden Grund das ähnliche Situationen zu identischen Folgen führen), möchte aber diesmal doch eine Analogie ziehen: Das niedrige Zinsniveau und die Höhe der japanischen Staatsverschuldung sind (auch) eine Folge der Bankenrettung aufgrund des japanischen Bankencrashs im Jahr 2003.

Fällt Ihnen etwas auf?

Das Positive an dieser Erkenntnis für Ihre Zukunft: Im Gegensatz zu den Japaner  müssen Sie von dieser Situation in Ihrem Rentenalter nicht überrascht werden. Denn Sie haben es ja jetzt gehört.

Sie glauben noch nicht so recht, dass Ihre Altersversorgung von dem niedrigen Zinsniveau betroffen ist? Dann schauen Sie doch einmal, was die Presse dazu sagt.

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