Deutsche Bank: Sind geplante Änderungen im Wealth Management auch für die Kunden sinnvoll?


Im sogenannten Wealth Management werden sehr vermögende Kunden betreut. Ob diese von den geplanten Änderungen der Deutschen Bank profitieren werden?

Die Financial Times Deutschland berichtet von verschiedenen Änderungen. So soll die Vermögensverwaltung der Deutschen Bank wachsen und es sollen zugleich Kosten gespart werden, indem „sie (das Wealth Management)  Produkte aus dem Asset-Management, in dem zum Beispiel die Fondstochter DWS angesiedelt ist, auch im Wealth-Management vertreibt.“

Das wirft die Frage auf, wie sinnvoll es für die Kunden ist, wenn hauseigene Produkte im Fokus der Beratung stehen. Um einen ersten Eindruck zu gewinnen, habe ich mir hierzu die 3-Jahres-Wertentwicklung von Aktienfonds aus dem Hause der Deutschen Bank im Vergleich zu anderen Fonds der jeweiligen Kategorie angeschaut. Auch wenn die Auswahl der betrachteten Fondskategorien willkürlich und unvollständig ist, ergibt sich ein Bild mit einem bereits vorab vermuteten Ergebnis:

Hauseigene Produkte erzielen selten in allen Kathegorien das beste Ergebnis:

Natürlich erzielt auch ein Fonds der Deutschen Bank Spitzenergebnisse, wie der DB Platinum III Platow R1C, der in diesem Zeitraum das beste Ergebnis seiner Fondskategorie erzielte. Ansonsten zeigt sich hier aber ein sehr durchwachsenes Ergebnis. Zuwenig für ein anspruchvolles Kundenklientel!  Von den (zugegeben willkürlich ausgewählten) Fonds lagen zwar 5 von 11 Fonds mit Ihrem Ergebnis im ersten Quartil der Vergleichsgruppe, aber immerhin 4 Fonds fanden sich in der Gruppe, die ein schlechteres Ergebnis als die erste Hälfte aller Fonds hatte.

Wenn wir an dieser Stelle auf die zitierten Ausgangsüberlegungen der Deutschen Bank zurückkommen, so kann ein Vertrieb von Hausprodukten an das Klientel der wohlhabenden Anleger (und wie mag das Ergebnis erst für weniger wohlhabende Kunden aussehen?)

  • entweder nur wenig Effekte für die Ergebnisverbesserung der Unternehmen der Deutschen Bank bringen, weil nur ein Teil möglicher Investmentideen der Vermögensverwaltung durch Produkte aus dem Haus gut umgesetzt werden können
  • oder das Ergebnis für die Deutsche Bank wird auf Kosten der Performance für die Anleger erwirtschaftet

Ob dieser Schachzug wirklich optimal ist?

Entfernt erinnert mich diese Strategie etwas an die vergangene – inzwischen schon fast vergessene- Strategie, die mit der Umbennung in Deutsche Bank 24 erfolgte. Damals waren die weniger vermögenden Kunden betroffen, diesmal könnte es das vermögendere Klientel treffen.

Hier zeigen sich aber wieder die möglichen Vorteile der freien Finanzberater und Finanzvermittler, die keinerlei Konzernvorgaben unterliegen. Bei der üblichen Vergütungsstruktur für Investmentfonds besteht hier wenig oder kein Anlass für eine irgendwie geartete Produktsteuerung zu Lasten der Kunden.

Ich weiss, jetzt könnten viele Einwände kommen, wie zum Beispiel:

  • es käme nicht auf die einzelnen Produkte, sondern auf die Allokation an
  • der Research eine großen Instituts sei besser
  • die vorgenannte Auswahl ist willkürlich
  • etc.

Der beste Wege um diese Aussagen zu prüfen, ist ein Test. Vergleichen Sie also nicht nur die Leistungen der Banken untereinander, sondern ziehen Sie auch einmal freie Berater in Ihre Überlegungen ein.

2 Gedanken zu “Deutsche Bank: Sind geplante Änderungen im Wealth Management auch für die Kunden sinnvoll?

  1. Herzlichen Dank für die spannenden Einblicke. Ich bin selbst Kunde bei der Deutschen Bank Wealth Management und frage mich manchmal, wie denn das Gebührenmodell genau funktioniert. Gerne würde ich hierzu einen Fachmann beiziehen. Was sind denn da passende Adressen? Gibt es eine Organisation, welche diesbezüglich den Überblick über den deutschen Markt hat?

    1. Guten Morgen Herr Mäuchle, und vielen Dank für Ihren freundlichen Kommentar.
      Das Gebührenmodell der Deutschen Bank im Wealth Management sollte Ihnen die Deutsche Bank eigentlich genau erläutert haben, ansonsten entstehen für die Bank leicht Haftungsrisiken. Es kann allerdings sein, dass Sie schon längere Zeit Kunde des Wealth Managements sind. Denn in der Vergangenheit war eine genaue Darstellung der Gebührensituation nicht bei jedem Anbieter üblich.
      Um die Funktionsweise der Gebührenmodelle zu verstehen, muss die Kundenseite und Anbieterseiten gesondert betrachtet werden.
      Den Kunden sollte genannt werden: 1. jährliche Betreuungsgebühr bzw. Servicegebühr 2. Depotgebühren 3. Transaktionskosten. Dies sind die Gebühren, die direkt belastet werden. Indirekt wird das Ergebnis belastet durch: Versteckte Gebühren bzw. Kick-back Provision. Bei Letzterem handelt es sich um die von Investmentfonds gezahlten Bestandsprovision. Diese müssen genannt werden. Ob sie Ihrem Depot gutgeschrieben werden, hängt von der Vereinbarung ab.
      Was ist üblich? Die jährliche Gebühren belaufen sich üblicherweise auf 1% bis 1,5 % des verwalteten Vermögens.
      Aus Sicht des Anbieters soll letztendlich ein ausreichender Ertrag aus der individuellen Betreuung resultieren. Dabei ist der Umsatz, den ein Kundenbetreuer erbringen muss, nicht zu unterschätzen. Neben der jährlichen Gebühr wirken sich die weiteren Kosten je nach Institut unterschiedlich aus. Werden zum Beispiel Einzeltitel gekauft und der Handel erfolgt über das Haus des Anbieters, so entstehen natürlich Erträge durch die Transaktionskosten. Aber auch das Thema Kick-Back (Bestandsprovision bei Investmentfonds) wirkt sehr unterschiedlich, denn die Investmentfondgesellschaften zahlen für das gleiche Produkt unterschiedlich hohe Vergütungen an unterschiedliche Vermittler.
      Weiterhin ist zu beachten, dass einem Bankhaus meiner Erkenntnis nach im Bereich der Investmentfonds vergleichsweise geringere Vergütung gezahlt werden als freien Vermögensverwalter oder Vermittler. Insoweit ist auch die Konzernanbindung eines Anbieters von Relevanz. Gewinne können ja auch in Töchterunternehmen erzielt werden.
      Ich habe hier die Situation der Anbietereite etwas ausführlicher dargestellt, weil ich vermute, dass diese mögliche “Stellschrauben“ bei der Preisgestaltung berücksichtigt werden. Dies sind nur einige wenige Beispiele, die aufzeigen, dass eine vollkommene Transparenz schwer möglich sein wird.
      Eine Institution, die Ihnen den gewünschten Überblick über den deutschen Markt gibt , ist mir nicht bekannt. Weitere Informationen können Sie erhalten, wenn Sie mich anrufen oder mir eine Mail senden. Die Kontaktdaten finden Sie Impressum.
      Ein schönes Wochenende wünsche ich.
      Wolfgang Gierls

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