Der Bund läßt uns allein mit den Banken – Ein Skandal, der in den vielen Schlagzeilen untergeht


Am 2. Juli meldet das Handelsblatt, dass die deutsche Finanzagentur ihr Geschäft mit den Privatanlegern zum Jahresende einstellen will. Danach können Privatanleger ihr Geld nicht mehr über die kostengünstige Finanzagentur in Bundesschatzbriefe, Bundesobligationen und Bundesanleihen investieren, sondern nur noch über Banken. Dies alles erfolgt mit der Begründung, das Geschäft mit den Privatkunden sei zu teuer. Nun mag man streiten, ob die klassischen genannten Produkte überhaupt interessant seien. Eine Anlage stellte aber ein besonderes Angebot in Krisenzeiten dar: die Tagesanleihe des Bundes. Sie wird zwar vergleichsweise schlecht verzinst, aber wo ist es besser und sicherer möglich Liquidität in unruhigen Zeiten zu parken als beim Bund?

Worin der Skandal liegt?

  • Selbst wenn es in Zukunft die Tagesanleihen weiterhin geben wird, werden Banken in Krisenzeiten diese dann Ihren Kunden anbieten? Wohl kaum. Ende 2008 haben uns Mitarbeiter einer bedeutenden Bank intensiv gebeten, unseren Kunden Tagesgeld der Bank zu empfehlen: Nur für 2 bis 3 Monate. Das bleiben Eure Kunden. Danach könnt ihr das Geld wieder anlegen“ (Ich finde das ist selbsterklärend)
  • Sollte eine solche Krisensituation erneut eintreten, können sich die Banken natürlich relativ einfach, einen Teil der notwendige Liquidität direkt von Ihren Kunden besorgen und brauchen keine staatliche Unterstützung (oder Unterstützung durch die EZB). Geht es schief, zahlt aber doch wieder der Staat, also wir alle.
  • Das Argument, das Geschäft der Finanzagentur mit Privatkunden sei zu teuer, kann sich also auch schnell umkehren.

Auch wenn nicht alle Kunden der Finanzagentur dort in Tagesanleihen investiert haben, sind doch eine sehr beträchtliche Anzahl von Anlegern betroffen: 330.000 Konten gibt es bei der Finanzagentur. Aber eigentlich ist es ja fast keine Neuigkeit, dass die Unterstützung der Banken Vorrang hat. Und schließlich haben sich die Banken lange genug massiv gegen dieses Konkurrenzangebot gewehrt:

  • Wo kommen wir denn hin, wenn öffentliche Einrichtungen den Banken Konkurrenz machen? Vielleicht werden sie ja gerade dadurch in den Ruin getrieben und dann müsste der Staat sowieso wieder retten.

Aber ganz im Ernst: Wenn der Staat die Chance hat, ein Alternativangebot zu privaten Banken zu schaffen, warum wird uns dies genommen?

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