Regierung kann Pflegeversicherung nicht, Versicherungen können aber Lobbyarbeit


von Christiane Könitz

Das Bundeskabinett hat beschlossen: Wer eine private Pflege-Zusatzversicherung abschließt, soll monatlich 5 EUR Zuschuss vom Staat erhalten. Um jedoch in den Genuss dieses Zuschusses zu kommen, muss der Versicherungstarif konkrete Bedingungen erfüllen. Der Staat kreiert einen Pflege-Tagegeldtarif ! Aber ehrlich: „Schuster bleib bei deinen Leisten“

Neben den Mindestabsicherungen sind 2 wesentliche Voraussetzungen gefordert: keine Gesundheitsprüfung und kein Höchsteintrittsalter. Im Klartext: Jeder Antrag muss unabhängig vom Alter und Gesundheitszustand angenommen werden. Ausgenommen sind lediglich bereits Pflegebedürftige.

Was bedeutet das jetzt für die Versicherer oder besser für die Versicherten?

Mit einer Gesundheitsprüfung und der Altersbegrenzung können Versicherer risikogerechte Beiträge kalkulieren. Entfällt jetzt diese Risikoprüfung, und damit Risikozuschläge oder Ausschlüsse, führt dies zu einer Verschlechterung der Risikosituation. In der Folge werden die Beiträge höher sein, als die jetzt am Markt angebotenen Versicherungen.

Ob die mögliche Wartezeit von 5 Jahren daran etwas ändert, erscheint doch sehr fraglich.

Gesunde Personen werden die günstigeren bisherigen Tarife nutzen. Für die neuen Versicherungen bleiben die „Alten und Kranken“. Mit der Konsequenz, dass die Beiträge voraussichtlich weiter steigen, denn der Beitrag ist nicht für die gesamte Versicherungsdauer garantiert. So verschafft uns der Staat eine Pflege-Tagegeldversicherung für diejenigen, die sonst von den Versicherungsgesellschaften abgelehnt würden. Das  ist ja auch nicht schlecht. Nur: Ist diese dann noch bezahlbar?

Aber möglicherweise ist das „Ganze“  Lobbyarbeit für Versicherungen.

Bisher fristen private Pflegeversicherungen immer noch ein Nischen-Dasein. Kein Wunder: Dies Ist ja wirklich kein emotional positiv belegtes Thema und so etwas verkauft sich schlecht. Gut aber verkaufen sich staatliche Zuschüsse (Riesterversicherung). Die Leidtragenden werden dann die Käufer dieser Policen, denn wer wird Ihnen sagen, dass Sie in Tarife mit negativer Risikoauslese einzahlen?

Besser wäre wahrscheinlich:

Der Staat sollte die 5 Euro als Zuschuß an die gesetzliche Pflegeversicherung zahlen. Dies wird er natürlich nicht tun, denn wahrscheinlich kalkuliert er, dass nicht jeder eine solch subventionierte Pflegeversicherung abschliessen würde. Ok, dann soll er eben 2,50 Euro in die gesetzliche Pflegeversicherung zahlen.

Eine solche Vorgehensweise wäre

  • ehrlicher
  • spart Verwaltungskosten
  • kommt auch denjenigen zugute, die sich den Aufwand für eine Pflegeversicherung nicht leisten können
  • -und bewahrt Versicherungsnehmer davor, „ungünstigte Verträge“ abzuschliessen

Sinnvoll wäre aber auch, der potentielle Versicherungsnehmer erkennt selbst die Relevanz dieses Risikos und schliesst nach rationaler Risikoabwägung einen entsprechenden Vertrag ohne negativer Risikoauslese ab. Mehr Informationen finden Sie auf unserer Homepage.

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