Hoher Renditevorteil von geschlossenen Fonds gegenüber Staatsanleihen


Die Rating Agentur Scope nimmt sich dieses Themas mit einer Analysemitteilung vom 11.5.2012 an. Dabei mag die Überschrift „Risikoprämie für Geschlossene Fonds steigt“ den fachlich nicht so versierten Leser vielleicht in seiner Risikoeinschätzung hinsichtlich geschlossener Fonds bestärken: … gefährlich…

Was ist nun eine Risikoprämie? Die Risikoprämie gibt den Renditeunterschied einer beliebigen Anlage im Vergleich zu einer sicheren Anlage an. So führt Scope aus, dass der Unterschied der prognostizierten Renditen  von Beteiligungen zu deutschen Staatsanleihen (im Jahr 2011) 4,3% betrug. In den ersten 4 Monaten dieses Jahres sogar 5,4%-Punkte.

Spricht dies nun für ein Engagement in geschlossenen Fonds oder verdeutlicht dieser hohe Renditeunterschied das „hohe“ Risiko von Beteiligungen?

  • Zunächst wird man gegen Beteiligungen das Argument anführen können: Es sind ja nur Prognoserenditen. Das ist korrekt, denn die tatsächliche Rendite einer Beteiligung lässt sich erst nach Beendigung der Beteiligung bestimmen.  Für diese Ungewissheit kann der Anleger ja auch eine um 460% höhere Rendite erwarten.
  • Man könnte ebenfalls gegen Beteiligungen anführen, dass die prognostizierten Renditen „schöngerechnet“ seien. Dies mag in einigen Fällen heute immer noch der Fall sein. Weil aber die Iniatoren immer mehr dazu übergehen, Szenario-betrachtungen im Prospekt darzustellen, wird es dem Anleger leichter fallen, dies zu erkennen.

Es dürfen bei dieser Betrachtung aber auch nicht die Risiken der Staatsanleihen übersehen werden. Ich rede dabei nicht vom Ausfall deutscher Staatsanleihen, sondern  von möglichen Kursänderungen während der Laufzeit. Sollten die Zinssätze neuer Staatsanleihen in Zukunft steigen, werden heute ausgegebene Papiere bei vorzeitigem Verkauf massiv Wert verlieren. (Angenommen Sie kaufen heute ein Wertpapier mit 2% Zinsen und zehnjähriger Laufzeit, wer wird Ihnen dieses Papier zum Beispiel in 4 Jahren abkaufen, falls es dann für die verbleibenden 6 Jahre 7% Zinsen geben würde? Niemand! Es sei denn Sie erstatten dem Käufer die Zinsdifferenz von 5% für jedes der 6 Jahre. Dies sind dann – ohne Zinseszinsberechnung – 30% Kursverluste). Natürlich können auch bei Beteiligungen, die Sie vorzeitig auf dem Zweitmarkt verkaufen, Verluste eintreten. Aber mit etwas Glück, hätten Sie dann bis dahin mit den Beteiligungen wesentliche höhere jährliche Erträge erzielt.

Geschlossene Fonds können aufgrund der höheren Risikoprämie (+460%) also durchaus eine interessante Alternative/Ergänzung zu sicheren Anlagen sein.

Aber natürlich darf das Totalverlustrisiko von geschlossenen Fonds nicht außer acht gelassen werden. Was kann getan werden, um dieses Risiko zu verringern? Hier kommt jetzt die klassische Antwort:

Diversifizieren

Angenommen, Sie möchten einen Betrag von 100 TEUR anlegen. Wenn Sie jetzt in sicheren Anlagen mit 1,5% Rendite investieren, hätten Sie nach 10 Jahren einen Betrag von rund 116 TEUR. Legen Sie die Prognoserendite von Beteiligungen zugrunde, so kämen Sie auf einen Betrag von ca. 199 TEUR. Dafür haben Sie aber das Totalverlustrisiko. Dieses Risiko können Sie reduzieren, wenn Sie Ihre Anlage von 100 TEUR auf 10 Anlagen zu je 10 TEUR verteilen. Würden in diesem Fall vier Ihrer Anlagen mit einem Totalverlust enden, so könnten Sie mit den verbleibenden sechs Anlagen bei der angenommenen Prognoserendite immer noch das gleiche Endvermögen von 116 TEUR wie bei der sicheren Anlage erreichen.

Nur leider zeigt die Praxis, dass meist weder der Anleger die Chancen der Diversifikation nutzt, noch viele Berater bereit sind, sich der Mühe zu unterziehen, dem Kunden ein Beteiligungsportfolio anzubieten. Dies macht ja auch alles viel Mühe. Viel Mühe geben wir uns aber mit Ihren Wünschen, fragen Sie uns.

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Einige Schlussbemerkungen: Die Darstellung und Berechnungen sind vereinfacht. So wird z.B.für jede Anlage unterstellt, dass die Erträge immer wieder zum Prognosezins angelegt werden können. Das wird in praxi in der Regel nicht der Fall sein. Auch sind steuerliche Aspekte und unterschiedlich hohe Kaufkosten nicht berücksichtigt. Sollten Sie eine Beratung durch unser Haus wünschen, können wir diese und weitere Aspekte natürlich individuell für Sie berücksichtigen.

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