Allianz: Ignoranz gegenüber Kunden oder Kalkül auf Ignoranz der Kunden


Heute veröffentlicht die Süddeutsche Zeitung einen Artikel mit der Schlagzeile „Allianz als Hungermacher“. Nach einer Studie der Oxfam steht der Allianz-Konzern an erster Stelle der deutschen Unternehmen, die an Warenterminbörsen mit Nahrungsmittel handeln.

Es soll an dieser Stelle nicht darauf eingegangen werden, ob die Spekulation an Warenterminbörsen tatsächlich mitverantwortlich für den Hunger auf der Welt ist. Allein die Argumentation der Allianz auf die Oxfam Vorwürfe soll etwas näher betrachtet werden:

„Unsere Fonds setzen dabei nicht gezielt auf steigende Preise“, sagt ein Sprecher, „an den Finanzmärkten lasse sich ja auch auf fallende Preise setzen.“

Sollen wir jetzt glauben, dass das Verhalten der Allianz positiv zu werten ist, weil sie auch – möglicherweise- auf fallende Preise setzt? Nun erstens wird dies nicht verbindlich zugesagt. Auch ist es nicht ersichtlich, dass die Allianz hier gezielt den Markt positiv beeinflussen will.

Auf fallende Preise zu spekulieren, bedeutet aber auch, dass es Gegenparts gibt, die auf steigende Preise spekulieren. Wer „gewinnt“ lässt sich nicht vorhersagen. Somit ist dieses Argument nichtssagend. Möglicherweise hat die Allianz die Hoffnung, der interessierte Verbraucher/Anleger würde dies nicht richtig verstehen. Das könnte man als Arroganz bezeichnen.

„Außerdem betont die Allianz, dass sie Geld in Hersteller von Düngemitteln oder Maschinen investiert – und die würden die Produktion von Nahrungsmitteln ankurbeln und den Hunger begrenzen.“

Und was sollen wir jetzt glauben? Soll dies eine ausgleichende Buße-Handlung für die Nahrungsmittelspekulation darstellen? Oder sollen wir denken, die Nahrungsmittelspekulation wäre vielleicht doch nicht schädlich und tatsächlich wäre nur dieses Engagement bedeutend. Nichts gegen Verkäufer, aber selbst diese würden sich wahrscheinlich schämen, derart einfach zu argumentieren.

Die Allianz weiss aber genau, was Ursachen der hohen Nahrungsmittelpreise sind: „Bevölkerungswachstum, Klimawandel, politische Krisen oder Biosprit“

So, dann ist sie ja fein raus. Seltsamerweise hat die Deka-Gruppe nicht diese Erkenntnis. Sie hält die Auswirkungen der Nahrungsmittelspekulation für nicht ausreichen geklärt. Ist das Ignoranz oder glaubt die Allianz, nur ihr Wort zähle?

Immerhin die Allianz spielt ihre Rolle eines starken und verlässlichen Marktteilnehmer konsequent : „Ein Ausstieg steht zurzeit nicht zur Debatte.“

Aber warum kann die Allianz diese Rolle spielen?  Ein Grund für Ihre Größe sind auch die vielen tausend Kunden, die ihr Geld dieser Versicherung anvertrauen.

Sieht die Allianz mit derartigen Aussagen keine Gefahr einer negativen Reputation mit finanziellen Auswirkungen? Das wäre wieder Ignoranz. Möglicherweise (und das ist zu vermuten) ist die Allianz aber nicht ignorant. Sie setzt vielleicht nur darauf, dass Ihre Kunden ignorant sind.

Es wäre schade, wenn die Gesellschaft mit diesem Kalkül recht hat.

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