Fondsmanager und die große Inflation


Ist es nur Marketing oder unreflektierte Anwendung von Erfahrung? Natürlich müssen auch Fondsmanager und Vermögensverwalter Stellung zur Finanzmarktsituation beziehen. Für Vermögensverwalter und Manager vermögensverwaltender Investmentfonds gilt dabei : Die reine Stellungnahme dürfte auch nicht so problematisch sein, denn natürlich muss der Kapitalmarkt eingeschätzt werden, weil darauf basierend die Zusammensetzung des Fonds erfolgt. (Es gibt natürlich auch eine Vielzahl von Fonds, wo eine Einschätzung der Finanzmarktperspektiven nicht notwendig ist. Das einfachste Beispiel hierfür sind rein technische Trendfolgefonds.)

Schaut man sich verschiedene Interviews ausgewählter und etablierter Vermögensverwalter an, so soll unsere Zukunft zwangsläufig von Inflation gekennzeichnet sein. Ist das nun Erkenntnis, halbwegs sichere Prognose oder Marketing ?

Ich hatte das „Glück“ aufgrund meiner früheren Tätigkeit als Produktmanager-Kapitalanlagen für einen großen Maklerpool während und unmittelbar nach der Finanzkrise 2008 an diversen Veranstaltungen mit Fondsmanagern und Chefsvolkswirten deren Einschätzungen life zu hören.

Im Januar 2009 waren folgende Aussagen wirklich renommierter Experten zu hören:

“ Was ich meine guten Kunden auf deren Frage, wie soll ich jetzt mein Geld sicher anlegen, jetzt nur sagen kann : Schrebergarten kaufen, einbuddeln und abwarten“

“ Wir wissen auch nicht mehr weiter“

In der folgenden Zeit hatten sich die Fondsmanager dann wohl wieder gefangen. Denn nun wusste man anscheinend, wo die Krise mündet: In der Inflation und (vereinzelt) in einer Währungsreform.Die Prognosen wurden auch zunehmend genauer, wie hier aus dem November 2011: „2013 wird die hohe Inflation“ * kommen.

Nun wird man wohl niemand vorwerfen können, dass unmittelbar nach dem Schock des Herbst 2008 ein sehr großes Fragezeichen entstanden ist. Dies haben ja  auch die Märkte widergespiegelt. Und natürlich wusste auch ich nicht, wie es weitergehen wird. Nur  die Sicherheit der Aussagen, dass zwangsläufig Inflation entstehen muss, hat mich nicht überzeugt.

Auch ein noch so großer Schock sollte Fachleute nicht dazu verleiten, einfache Schlüsse zu ziehen. Zwei einfache naheliegende Schlüsse waren:

  1. Parallelen ziehen zur Weltwirtschaftskrise der Zwanziger Jahre
  2. Aus der Höhe der Geldmenge zu schließen, dass allein diese Inflation bewirkt.

Zu 1: Die Situation zu den Zwanziger Jahren war grundlegend anders als heute. Wir haben mehr Informationen, mehr Erfahrung, andere Marktteilnehmer und andere Institutionen, um nur einige Unterschiede zu nennen. Wenn aber sehr viele bestimmende Faktoren anders sind, gibt es keinen logischen Grund darauf zu schließen, die Situation werde sich gleich entwickeln

Zu 2: Die Höhe der Geldmenge ist vielleicht eine notwendige, nie aber eine zwingende Voraussetzung für Inflation. Inflation bedeutet steigende Preise. Also muss die Nachfrage hoch sein und das Angebot gering. Weil mit Inflation üblicheweise nicht die Asset-Inflation gemeint ist, hätten doch Löhne steigen müssen, damit überhaupt das Nachfragepotential da ist. Das war aber zu dem Zeitpunkt der Krise nicht absehbar. (Diese Erklärung ist natürlich etwas vereinfacht, denn es gibt z.B. auch durch gesunkene Wechselkurse eine importierte Inflation. Aber diese sehr einfache Erklärung ist doch schon grundlegender, als allein aufgrund der Geldmenge auf Inflation zu schliessen)

Wie die folgenden Jahre gezeigt habe, wurde dann doch auch das Szenario Deflation diskutiert. Aber kaum von Fondsmanagern und Vermögensverwaltern.(Dabei glauben wir einmal an das Gute im Menschen. Der Grund, dass Deflation nicht im Vordergrund der Äußerungen stand, wird also nicht darin liegen, dass eine Anlageempfehlung für das Deflationsszenario möglicherweise schwieriger ist) Die Situation war und ist also offen. Und diese Erkenntnis hätte auch in 2008/2009 relativ einfach durch einfaches Denken entstehen können.

Was ist heute anders? Soviel gar nicht: die Situation ist weiter offen. Nun werden einige sagen, diese Aussage nützt nichts. Dem ist entgegenzuhalten:

  1. Offene Fragen zu erkennen, ist eine Voraussetzung überhaupt weitere Szenarien zu prüfen.
  2. Wahrscheinlichkeiten für unterschiedliche Zukunftsszenarien offen zu lassen, vermeidet bei der Zusammenstellung der Kapitalanlagen risikoreiche Wetten.

Warum aber propagieren doch recht viele Vermögensverwalter weiterhin Inflation als Zukunftsszenario?

  • Vielleicht haben Sie nach dem Schock 2008 schnell wieder in die Normalität gefunden. Will heißen, sie greifen auf alte Denk- und Erklärungsmuster zurück. Schade, dann wäre die Schockwirkung umsonst gewesen.
  • Vielleicht ist aber auch Marketing ein Grund.
  • Gut möglich aber auch, dass verkannt wird, dass der normale Anleger Begriffe wie Inflation anders versteht als der Fachmann. Dann hätten wir nur ein Verständigungsproblem.

Wahrscheinlich spielen alle diese Punkte eine Rolle. So hatte ich zum Beispiel Ende 2009 ein Bericht über die Aussagen von  Bert Flossbach ** gelesen. Darin hiess es :

„Bert Flossbach, Chef der Kölner Vermögensverwaltung Flossbach von Storch, erwartet daher eine gewollte Inflation und als Folge eine Währungsreform.“

In den Ohren eines Normalanlegers klingt diese Aussage doch recht apokalyptisch und ich fragte daher auf dem Fondskongress 2012 am Stand der Vermögensverwaltung nach : Ehrlicherweise wurde zum Schreckgespenst „Währungsreform“ gleich gesagt : Marketing.

Die Aussage “ Die große Inflation kommt 2013″ stammt von Dr. Jens Ehrhardt. Sie muss nun nicht total unwahrscheinlich sein (Tendenz zur Lohnsteigerung, schwächerer Euro). Aber was hierbei wesentlich ist: für Volkswirte ist bereits eine Inflationsrate von 4% bis 6% hoch. Aber interpretiert der Laie diese Größe  ebenfalls schon als hohe Inflation? Und weiter müsste die Frage gestellt werden, wielange die Inflation anhält, denn wir hatten auch zu Zeiten der „so geliebten DM“ derartige Inflationsraten.

Eine temporäre Inflation vernichtet zweifelsohne Werte. Aber wer von einer sehr lange andauernden Inflation ausgeht und dies vielleicht noch mit der Hyperinflation assoziert, wird versuchen sein Geld auf lange Frist sicher anzulegen und bindet sich dann häufig auch entsprechend. Bei geänderter Marktlage wird diese Strategie wohl nicht optimnal sein.

Bei all dem hier Beschriebenen darf nicht vergessen werden: Für viele Vermögensberater, Fondsmanager und Anlageberater waren die Jahre 2008 und 2009 nicht besonders ertragreich. Zusätzlich waren oft schwierige Gespräche mit Kunden zu führen. Wenn daraus die Strategie resultieren sollte, doch wenigstens jetzt Geld zu verdienen, indem die Ängste der Kunden angesprochen werden, so macht es sich unsere Branche damit auf Dauer nicht einfacher.

Der guten Ordnung halber: Ich halte die Leistungen sowohl von Dr. Jens Ehrhardt als auch von Flossbach und Partner für gut und wir bieten deren Produkte in verschiedenen Anlageformen auch an. Es gibt durchaus auch Gründe, dass deren Aussagen für die Zukunft eintreffen können. Aber es gibt eben auch andere mögliche Szenarien.

Die aus dem Januar 2009 zitierten Aussagen stammen auch nicht von den hier genannten Vermögensverwaltern. Dennoch würden wir uns generell von Vermögensverwaltern, wie von vielen anderen auch, gern etwas differenzierte Aussagen wünschen. Mag allerdings auch sein, dass die Zukunft zeigen wird, dass sie recht hatten. Ich glaube aber dies wird dann eine glückliche Wette gewesen sein.

Weil es aber auch unglücklich ausgehende Wetten gibt, ist eine Diversifikation sinnvoll. Es scheint so, als sollte diese nicht allein durch Wahl eines Fondsmanager/ Vermögensverwalter erfolgen sondern auch zwischen diesen eine Diversifikation erfolgen. Jedenfalls dann, wenn die Struktur des gemanagten Vermögens sehr stark durch ein spezifisches Szenario bestimmt wird. Nur leider muss der Anleger dann selbst entscheiden, ob die Aussagen nur Marketing sind, auf älteren Denkmustern beruhen oder nur ein Verständigungsproblem besteht.

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* Dr. Jens Ehrhardt in der Frankfurter Rundschau 2.11.2011

** Bert Flossbach in Das Investment 2.10.2011

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